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04.01.2016

Leichten Depressionen mit körperlicher Aktivität entgegenwirken

Menschen, die eine depressive Episode erleben, sind oft in ihrem Antrieb gehemmt und dadurch auch körperlich weniger aktiv, wodurch sich die Symptomatik verschlechtern kann. Bei schwachen Depressionen können Sport und Bewegung dabei helfen, depressive Symptome abzubauen. Regelmäßige sportliche Aktivität kann sogar davor bewahren, dass sich Depressionen verschlimmern oder chronisch werden. Dabei sollte jedoch eine Form von Sport und Bewegung gewählt werden, die einen nicht überfordert.

Menschen, die eine depressive Episode erleben, sind oft in ihrem Antrieb gehemmt und dadurch auch körperlich weniger aktiv, wodurch sich die Symptomatik verschlechtern kann. Bei schwachen Depressionen können Sport und Bewegung dabei helfen, depressive Symptome abzubauen. Regelmäßige sportliche Aktivität kann sogar davor bewahren, dass sich Depressionen verschlimmern oder chronisch werden. Dabei sollte jedoch eine Form von Sport und Bewegung gewählt werden, die einen nicht überfordert. „Für Menschen mit leichten bis mittelschweren Depressionen bietet regelmäßige körperliche Ertüchtigung eine gute Chance, ihren Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Das Gefühl, selbst gegen die Erkrankung aktiv sein zu können, kann beflügeln und das Selbstwertgefühl stärken, die Körperwahrnehmung verbessern und von negativen Wahrnehmungen und Empfindungen ablenken. Durch körperliche Betätigung können zudem Angst, Stress und Anspannungszustände abgebaut werden und das persönliche Stressbewältigungsvermögen gesteigert werden. Wichtig ist zu Beginn jedoch, dass man sich dabei nicht überfordert, denn Misserfolge sollten zunächst möglichst vermieden werden“, rät Dr. Christa Roth-Sackenheim vom Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) in Krefeld. „Sport kann eine ergänzende Möglichkeit im Rahmen von Therapien sein, oder auch eine Alternative für Menschen mit schwachen Depressionen, die nicht sofort eine Behandlung beginnen können oder möchten.“ Geplanter, strukturierter Sport, der zielgerichtet aber nicht verbissen auf die Erhaltung und Verbesserung der körperlichen Fitness ausgerichtet ist, kann sich rasch positiv auswirken. Ein wichtiger Faktor ist dabei auch die feste Struktur, die ein regelmäßiges Training mit sich bringt und der Antriebslosigkeit und dem Rückzug in die eigenen vier Wände entgegenwirkt.

Misserfolge möglichst vermeiden

Antriebslosigkeit ist ein schwerwiegendes Symptom bei Depressionen, die es Betroffenen häufig fast unmöglich macht, ihrer Erkrankung durch eigenes Zutun entgegenzutreten. Sie erschwert nicht nur, den Alltag zu bewältigen, sondern verhindert auch zusammen mit Hoffnungslosigkeit den Weg in eine professionelle, fachärztlich Behandlung. „Für einen Teil depressionskranker Menschen ist es kaum möglich, der Erkrankung aus eigener Kraft entgegenzutreten. Das Vorhaben, sportlich aktiv zu werden, kann für sie unter Umständen negative Effekte haben, wenn sie sich nicht zum Training aufraffen können und am Ende ein weiteres Misserfolgserlebnis erleiden“, gibt die Psychiaterin und Psychotherapeutin aus Andernach zu bedenken. „Auch Menschen, die noch nie Sport getrieben haben, dürften es um einiges schwerer haben, ohne Hilfestellung regelmäßige körperliche Aktivität aufzunehmen.“

Frühzeitig medizinische Hilfe in Anspruch nehmen

Beim ersten Auftreten von depressiven Symptomen, die länger als zwei Wochen anhalten, ist es daher immer ratsam mit dem Hausarzt die Beschwerden, Gedanken und depressiv veränderten Gefühle und Verhaltensänderungen zu besprechen. Er kann gegebenenfalls an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie überweisen. Grundsätzlich kann man sich auch direkt an den Facharzt wenden. „ In der Regel gilt, dass Depressionen umso langwieriger behandelt werden müssen, je ausgeprägter sie sind und je länger sie bereits bestehen. Grundsätzlich sind sie jedoch sehr gut behandelbar und es stehen je nach Verlauf unterschiedliche therapeutische Möglichkeiten zu Verfügung“, betont Dr. Roth-Sackenheim. „Depressive Episoden lassen sich mit modernen Behandlungsmethoden oft rasch heilen oder lindern und die Lebensqualität der Betroffenen damit entscheidend verbessern.“

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die sich in zahlreichen Beschwerden äußern kann. Eine anhaltende gedrückte Stimmung, die Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust sowie vielfältige körperliche Symptome, die von Erschöpfung und Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen, sind mögliche Anzeichen. Auch der Verlust von sexuellem Interesse, Reizbarkeit und Angst sind (Früh-)Symptome. Die Mehrheit der Betroffenen hegt früher oder später Selbstmordgedanken.

In Deutschland leiden schätzungsweise 5% der Bevölkerung, d.h. etwa 4 Millionen Menschen, aktuell an einer Depression. Pro Jahr erkranken etwa 1 bis 2 Personen von 100 neu. Depressive Episoden kommen in jedem Lebensalter vor, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

Mehr Informationen zu Depressionen unter: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/depressionen/was-ist-eine-depression/

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