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05.11.2019

Herbst-Winter-Depression: Ausreichende Aufnahme von UV-Licht beugt vor

Saisonale Depressionen treten zumeist im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter auf, wobei Frauen deutlich häufiger davon betroffen sind. In höherem Alter werden Winterdepressionen seltener beobachtet.

Der Mangel an UV-Licht gilt als wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer so genannten Saisonalen Depression (auch SAD, von Seasonal Affective Disorder). Die Störung kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. In unseren Breiten erleben etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung eine moderate Ausprägung, mit wenig belastender Symptomatik. „Bei einem milden Verlauf können Menschen ein Stimmungstief an sich bemerken, sie kommen schlecht aus dem Bett und haben das Bedürfnis nach einer längeren Schlafdauer“, berichtet Dr. Sabine Köhler vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Auch ein verstärkter Appetit auf Kohlenhydrate ist ein typisches Symptom der Herbst-Winterdepression.“ Bei einer milden Form dieser Störung klingen beim Großteil der Patienten die Beschwerden mit den länger werdenden Tagen etwa ab dem Monat März von selbst wieder ab.

Starke Symptome medizinisch abklären lassen

Bei etwa fünf Prozent der Bevölkerung können ausgeprägte depressive Episoden auftreten, wodurch die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität erheblich eingeschränkt werden. „Eine starke emotionale Labilität, Erschöpfungszustände sowie Ängstlichkeit und Niedergeschlagenheit sollten ernst genommen werden. Diese Symptome müssen fachärztlich untersucht werden, auch um zu klären, ob möglicherweise eine behandlungsbedürftige Depression dahintersteckt. Denn bei der Mehrzahl der depressiven Erkrankungen in den Wintermonaten handelt es sich nicht um eine saisonale Depression“, betont die Psychiaterin und Psychotherapeutin. Bei einer Depression, die saisonal unabhängig auftritt, treten im Gegensatz zur Herbst-Winter-Depression eher die Symptome Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme sowie eine verkürzte Schlafdauer mit frühmorgendlichem Erwachen auf.

Vorbeugung und Behandlung mit UV-Licht-Lampen möglich

Durch eine ausreichende Aufnahme von UV-Licht lässt sich einer SAD oftmals vorbeugen. Bereits ein halbstündiger Spaziergang bei Tageslicht - am besten morgens - gilt als wirksam, selbst wenn der Himmel mit Wolken verhangen ist. „Wann möglich sollte man in der lichtarmen Jahreszeit nach draußen gehen, um UV-Licht abzubekommen und sich an der frischen Luft bewegen. Denn auch körperliche Aktivität kann die Stimmung positiv beeinflussen“ rät Dr. Köhler. „Erleben Betroffene wiederholt Saisonale Depressionen in der Herbst- und Winterzeit, können therapeutische Lichtbäder zur Behandlung sowie auch zur Prävention durchgeführt werden. Dabei setzt man sich täglich morgens für circa 30 Minuten mit offenen Augen vor eine spezielle Lichtquelle mit einer Intensität von 10.000 Lux.“ Auch eine Behandlung mit Antidepressiva ist eine Therapieoption. Depressive Erkrankungen, die nicht saisonal bedingt sind, können psychotherapeutisch und/oder medikamentös behandelt werden.

Saisonale Depressionen treten zumeist im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter auf, wobei Frauen deutlich häufiger davon betroffen sind. In höherem Alter werden Winterdepressionen seltener beobachtet.

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