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30.09.2020

Global Mental Health: Vernetzungsplattform möchte internationale Initiativen aus Deutschland zusammenbringen

Neben einer somatischen Grundversorgung durch Nahrung, manchmal Kleidung und Basismedikamenten ist eine psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung ein wichtiger Bestandteil von humanitärer Hilfe. Auf einer Informationsseite bietet die DGPPN engagierten Projekte in Deutschland die Möglichkeit, sich und ihr Projekt vorzustellen.

In vielen Ländern der Welt ist die psychische Gesundheit von Menschen gefährdet und psychische Erkrankungen stellen eine enorme Krankheitslast dar. Über Dreiviertel der Menschen mit psychischen Erkrankungen bleiben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Pro-Kopf-Einkommen unbehandelt. In Konflikt- und Krisenregionen sowie vom Klimawandel besonders betroffenen Gebieten sind Menschen überproportional von negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit betroffen und mit dem Eintreten der Corona-Pandemie steht die Weltgemeinschaft einem weiteren globalen Problem gegenüber, von dem negative Effekte auf die psychische Gesundheit zu erwarten sind.
Die globale Betroffenheit und die Sichtbarkeit vieler dieser Probleme birgt zugleich aber auch die Chance, gemeinsame Strategien zu entwickeln und verstärkt kollaborativ zusammenzuwirken, um psychisches Leiden zu lindern. Aus Deutschland beteiligen sich viele Ärzte, Wissenschaftler und Institutionen an internationalen Projekten, um die psychiatrische Versorgung in weniger gut ausgestatteten Gesundheitssystemen zu verbessern. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) möchte solche Engagements aus Deutschland unterstützen und international operierenden Projekten eine eigene Plattform bieten.

Mehr Sichtbarkeit und Austausch bei internationalen Projekten aus Deutschland schaffen

Auf einer Informationsseite bietet die DGPPN entsprechenden Initiativen die Möglichkeit, sich und ihr Projekt vorzustellen. Engagierte und Interessierte sollen sich dadurch untereinander leichter kennenlernen und einfacher miteinander in Kontakt kommen können. „Die Komplexität vieler Probleme - insbesondere unter Krisenbedingungen - erlaubt kaum noch Lösungen von Einzelnen, sondern braucht oftmals die Koordination verschiedener Expertisen und Erfahrungen,“ meint Dr. Jan Eike Reuter, der als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie u. a. für Ärzte ohne Grenzen im Ausland aktiv war und viel Erfahrung auf dem Gebiet der humanitären Zusammenarbeit hat. Er begrüßt die Initiative der DGPPN, engagierte Projekte in Deutschland auf einer eigenen Website sichtbar und damit nahbar zu machen. „Mehr Transparenz ist die Basis für einen gemeinsamen Austausch von Erfahrungen, Know-how oder auch innovativen Ansätzen. Jeder ist eingeladen, sein Projekt hier vorzustellen und bekannt zu machen“, ergänzt der Honorararzt.
Die Plattform findet sich auf der Website der Gesellschaft, www.dgppn.de, unter dem Stichwort „Global Mental Health“. Initiativen können hier u.a. Informationen zum Gründungsjahr, der Laufzeit, der Projektregion sowie möglichen Kooperationspartnern veröffentlichen und, ob sie vor Ort fortbilden, forschen oder praktisch aktiv sind.

Chancen: Direkte und indirekte Folgen von psychischen Erkrankungen lindern

Neben einer somatischen Grundversorgung durch Nahrung, manchmal Kleidung und Basismedikamenten ist eine psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung ein wichtiger Bestandteil von humanitärer Hilfe. „Professionelle Arbeit im Bereich "Mental Health" unterstützt humanitäre Hilfe auf sehr vielfältige Weise. Die Möglichkeiten bewegen sich zwischen akuter psychologischer Ersthilfe nach Katastrophen bis hin zum begleiteten Aufbau einer psychiatrischen Gesundheitsversorgung in schlecht versorgten Systemen“, erklärt Dr. Reuter. „Engagements im humanitär-psychiatrischen Bereich sind immer noch Pionierarbeit. Sie werden aber vor Ort von psychisch kranken Menschen, ihrem Umfeld und den Behandlern dankbar angenommen und können enorme Erfolge erzielen.“

Psychische Erkrankungen verursachen nicht nur seelisches Leid, sondern haben auch gravierende wirtschaftliche Folgen für den Einzelnen, die Familien und die Gesellschaft. Eine bessere psychische Gesundheitsvorsorge und Versorgung in Niedriglohnländern kommen dem Einzelnen daher ebenso zugute wie der gesamten Gesellschaft. Sie sind also nicht nur eine humanitäre Frage, sondern auch ein entscheidender Faktor, um die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes hin zu mehr Wohlstand zu fördern.

DGPPN-Plattform „Global Mental Health“ zur Anmeldung einer internationalen Initiative: https://www.dgppn.de/schwerpunkte/global-mental-health.html 

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