Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

03.08.2020

Emotionales Stimmungstief am Morgen kann auf Depression hinweisen

Manche Menschen mit Depression erleben insbesondere morgens nach dem Aufwachen ein ausgeprägtes Beschwerdebild, das sich im Lauf des Tages wieder normalisieren kann. Dauern die Beschwerden mit emotionalem Tief und Leistungsminderung über mehr als 2 Wochen an, sollte eine fachärztliche Abklärung und ggf. Behandlung erfolgen.

Eine depressive Erkrankung kann tageszeitlichen Schwankungen unterworfen sein. Manche Betroffene erleben insbesondere morgens nach dem Aufwachen ein ausgeprägtes Stimmungstief und weitere Beschwerden wie ein Gefühl der Leere, Energiemangel oder körperliche Beschwerden. Die Symptome können im Laufe des Tages dann deutlich an Intensität verlieren bis hin zu einer weitestgehenden Normalisierung. „Menschen mit Depressionen haben häufig einen gestörten zirkadianen Rhythmus, wodurch tageszeitliche Schwankungen im Erkrankungsbild entstehen können. Entsprechend fühlt sich ein Teil der depressiven Patienten trotz ausreichender Schlafdauer schon zu Tagesbeginn niedergeschlagen, hoffnungslos und erschöpft. Sie sind wenig belastbar, missmutig und werden schnell müde“, erklärt Dr. Sabine Köhler vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). „Erstaunlicherweise fühlen sich manche Betroffene dann in den Nachmittags- und Abendstunden aber wieder gesund und gut leistungsfähig.“ Dauern die Beschwerden mit emotionalem Tief und Leistungsminderung am Tagesbeginn über mehr als 2 Wochen an, kann dies auf eine depressive Erkrankung hinweisen und eines von vielen Symptomen der Depression darstellen.

Mit dem Erwachen sind viele depressive Symptome schon da

Menschen mit diesem Erkrankungsbild bemerken oft schon mit dem ersten Augenaufschlag die Symptome der Depression. Sie empfinden Unbehagen und Zukunftsängste, erleben Gedankenkreisen und ein Gefühl von Niedergeschlagenheit und Verzweiflung. „Während zu Erkrankungsbeginn zunächst nur aufwändige oder beschwerliche Tätigkeiten eine Hürde darstellen, kann später auch Alltägliches besonders in der ersten Tageshälfte eine große Kraftanstrengung bedeuten, wie die Zubereitung von Kaffee oder das Duschen“, illustriert die Psychiaterin und Psychotherapeutin. Grundsätzlich können sich Depressionen bei Menschen sehr unterschiedlich zeigen und beispielsweise auch mit körperlichen Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen, Atembeschwerden oder Störungen des Verdauungssystems einhergehen. Der Großteil der Betroffenen fühlt sich zunehmend überfordert, soziale Kontakte, Freizeitaktivitäten, die Haushaltsführung und auch den Beruf aufrechtzuerhalten.

Weil sich die Symptome einer depressiven Erkrankung mit tageszeitlichen Schwankungen im Laufe des Tages weitgehend normalisieren können, und damit auch der Leidensdruck abnimmt, kann das den Besuch bei einem Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie herauszögern. Länger andauernde Beschwerden sollten unbedingt fachärztlich abgeklärt werden. „Eine frühe Diagnose und Behandlung ist für einen positiven Erkrankungsverlauf von Depressionen sehr wichtig. Depressive Episoden lassen sich mit modernen Behandlungsmethoden oft rasch heilen oder lindern und die Lebensqualität damit wieder entscheidend verbessern“ betont Dr. Köhler.

In Deutschland leiden Studien zufolge mindestens 8 Prozent der Bevölkerung an einer Depression. Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen.

(äin-red) Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.psychiater-im-netz.org. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patientenportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.