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02.05.2018

Depressionsbehandlung verbessert Lebensqualität bei Krebserkrankung deutlich

Die vielschichtigen Verflechtungen zwischen Depression und Krebs betonen die Wichtigkeit einer möglichst frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Depression. Der ungünstige Effekt von Depression auf Krebserkrankungen kann mit typischen erkrankungsbedingten Einschränkungen erklärt werden.

Depression ist eine häufige und schwerwiegende Begleiterkrankung bei Krebspatienten unter der je nach Krebserkrankung zwischen 8 und 24 Prozent der Betroffenen leiden (1) . Ein Teil hat bereits die psychische Erkrankung bevor der Krebs diagnostiziert wird, andere erkranken kurz nach der Diagnose oder im Verlauf der Behandlung. Während der onkologischen Therapie ist das Vorkommen von Depression besonders hoch (2) . Eine Depression kann Menschen mit Krebs stark belasten, ihre Lebensqualität und auch die Prognose verschlechtern. „Die Doppelbelastung beider Erkrankungen, die Patienten erleben, kann die Krankheitsbewältigung bei Krebs negativ beeinflussen. Depressionen verschlechtern die Lebensqualität bei Krebspatienten erheblich, denn sie gehen mit Aktivitätseinschränkungen, Erschöpfbarkeit sowie gedrückter Stimmung aber auch körperlichen Symptomen wie Gewichtsverlust und Schlafstörungen einher“, berichtet Prof. Ulrich Voderholzer von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit Sitz der Gesellschaft in Berlin. „Solche Symptome können aber effektiv gelindert werden und das Wohlbefinden der Krebspatienten vor und nach der Therapie erfreulicherweise deutlich gesteigert werden.“ Betroffene sollten unbedingt frühzeitig eine korrekte Diagnose erhalten und eine Depressionsbehandlung wahrnehmen, um ihre Lebensqualität trotz Krebserkrankung zu verbessern. Zu dieser Erkenntnis kamen auch zwei große Studien mit Krebspatienten, deren Krebsarten unterschiedliche Prognosen hatten (SMaRT Oncology-2  and 3 (3,4) .

Depression nimmt negative Einflüsse auf Krebserkrankung

Eine anschließende Nachbetrachtung eines Teils der Studienteilnehmer der SMaRT Oncology-2/3-Studien machte jedoch deutlich, dass die Mitbehandlung einer Depression die Überlebensrate über 1 bis 5 Jahre leider nicht signifikant verbesserte (5) . Womöglich sind exaktere Untersuchungen mit einer größeren Personenzahl und längeren Studienzeiträumen erforderlich, um die Wirkung einer Depressionsbehandlung besser abbilden zu können und positive Effekte auszumachen. Denn in der Studie wurde auch nicht unterschieden, inwieweit sich eine Depression erst nach der Krebsdiagnose entwickelt bzw. zu welchem Zeitpunkt der onkologischen Behandlung sie auftrat. Ebenso bleibt unklar, ob auch eine psychiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung erfolgte.

Der ungünstige Effekt von Depression auf die Krebsüberlebensrate kann mit typischen erkrankungsbedingten Einschränkungen erklärt werden. „Depressionen können aufgrund des Antriebsmangels zu weniger Arzt-Patienten-Kontakten führen und damit zu verspäteten Diagnosen oder auch ineffektiveren Behandlungen“, meint Prof. Voderholzer. „Beeinträchtigte kognitive Fähigkeiten - also Schwächen der Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung - können dazu beitragen, dass der Austausch mit behandelnden Ärzten an Qualität verliert und die Therapieplanung insgesamt beeinträchtigen. Auch haben Depressive oftmals eine geringere Therapiebereitschaft, weswegen Behandlungen öfter frühzeitig abgebrochen werden.“ All diese Faktoren könnten den größten Teil des Überlebensnachteils bei Patienten mit Depressionen ausmachen. Bei Herz-Kreislauferkrankungen konnte inzwischen gezeigt werden, dass eine wirksame Depressionstherapie die Sterblichkeit verringern kann und Krankheitsentstehung und -verlauf zum Vorteil der Patienten beeinflusst werden. Doch auch hier fehlen noch Studien, um abschließende Erkenntnisse festhalten zu können.

Früherkennung und Behandlung von Depressionen wichtig

Zwischen Depression und Krebserkrankungen bestehen verschiedene negative Wechselwirkungen. Dabei gelten nicht die Stimmungsveränderungen oder Selbstzweifel als negative Einflussfaktoren, sondern ungesunde Verhaltensweisen bzw. begleitende Suchterkrankungen, die bei Depression häufig anzutreffen sind, als Risikofaktoren. So haben Menschen mit Depression ein höheres Risiko, an Lungen- oder Leberkrebs zu erkranken (6) , die durch Tabakkonsum und Alkoholmissbrauch ausgelöst werden. Zu entsprechenden Zusammenhängen kommt auch eine aktuelle Studie, welche ein höheres Brustkrebs-Risiko bei Frauen mit Schizophrenie in Verbindung bringt. Auch hier werden unvorteilhafte Aspekte des Lebensstils der psychischen Erkrankung als mögliche Erklärung genannt (7) . „Die vielschichtigen Verflechtungen zwischen Depression und Krebs betonen letztlich die Wichtigkeit einer möglichst frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Depression“, ergänzt der Psychiater.

Quellen:

  (1)Krebber AM et. al, Prevalence of depression in cancer patients: A meta-analysis of diagnostic interviews and self-report instruments, Psycho-Oncology 23(2), February 2014, DOI: 10.1002/pon.3409
  (2)Krebber AM et. al, Prevalence of depression in cancer patients: A meta-analysis of diagnostic interviews and self-report instruments, Psycho-Oncology 23(2), February 2014, DOI: 10.1002/pon.3409
  (3)Sharpe M, Walker J, Hansen CH, et al. Integrated collaborative
care for comorbid major depression in patients with cancer (SMaRT Oncology-2): a multicentre randomised controlled effectiveness trial. Lancet 2014; 384: 1099–108.
  (4)Walker J, Hansen CH, Martin P, et al. Integrated collaborative care for major depression comorbid with a poor prognosis cancer (SMaRT Oncology-3): a multicentre randomised controlled
  (5)Mulick A, et al, Does depression treatment improve the survival of depressed patients with cancer? A long-term follow-up of participants in the SMaRT Oncology-2 and 3 trials, Lancet Psychiatry. 2018 Apr;5(4):321-326. doi: 10.1016/S2215-0366(18)30061-0. Epub 2018 Mar 12.
  (6)Jia Y, Li F, Liu YF, Zhao JP, Leng MM, Chen L. Depression and cancer risk:
a systematic review and meta-analysis. Public Health 2017; 149: 138–48.
  (7)Zhuo C, Triplett PT. Association of schizophrenia with the risk of breast cancer incidence: a meta-analysis [published online March 7, 2018]. JAMA Psychiatry. doi:10.1001/jamapsychiatry.2017.4748

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