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11.03.2020

Corona-Sorgen: Mit positiven Verhaltensanpassungen das Stresserleben verringern

Das Corona-Virus konfrontiert uns mit einer neuartigen Belastungssituation und einem ganzen Bündel stressauslösender Aspekte und Ängsten. Dieser Stress muss dabei als ist ein Phänomen betrachtet werden, das zum Leben gehört, denn, dass im Laufe des Lebens Veränderungen auftreten, ist unvermeidlich.

Das Corona-Virus konfrontiert uns mit einer neuartigen Belastungssituation und einem ganzen Bündel stressauslösender Aspekte und Ängsten. Dieser Stress muss dabei als ist ein Phänomen betrachtet werden, das zum Leben gehört, denn, dass im Laufe des Lebens Veränderungen auftreten, ist unvermeidlich. „Es ist zunächst eine völlig normale Reaktion, dass Menschen aktuell in Alarmbereitschaft versetzt sind und einen gewissen Stress erleben, der akut als unangenehm empfunden wird und negative Emotionen sowie Unbehagen hervorbringt. Wir müssen uns dieser Tage ein Stück weit damit arrangieren, dass wir uns mit belastenden neuartigen Lebensbedingungen auseinandersetzen müssen, das ist ein natürlicher Prozess“, meint Christa Roth-Sackenheim vom Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) mit Verbandsitz in Krefeld. „Veränderungen bedingen bei Menschen in der Regel zunächst einen Spannungszustand, der unterschiedliche Anpassungsleistungen erforderlich macht. Dabei können durch positive Verhaltensanpassungen – wie eine der Bedrohungslage angemessene Besonnenheit und Wachsamkeit und ein unaufgeregter und sachlicher Umgang, der nicht verharmlost, aber auch nicht verängstigt, notwendige Bewältigungsmechanismen angestoßen werden.“ Ein proaktives Agieren, welches von einem selbst ausgeht ist dabei besonders vorteilhaft: So können zusätzliche Hygienemaßnahmen entsprechend der allgemeinen Empfehlungen und selbst auferlegte Kontaktsperren eingehalten werden. Verzichtbare Aufgaben können vor dem Hintergrund der akuten Krisensituation hintenangestellt werden, und mögliche Problemstellungen, die sich ergeben können, schon im Vorfeld kreativ am besten miteinander gelöst werden. Ein Gefühl menschlicher Verbundenheit hat einen großen Einfluss auf die Verarbeitung von Krisensituationen, und auch hier gibt es viele Gestaltungsmöglichkeiten bei Einzelnen sowie in Betrieben und Unternehmen, gemeinsam der Situation angemessen aktiv zu werden.

Eigenes Stresslevel und das der Anderen registrieren

Negativen Stress, Angespanntheit und Gefühle von Verunsicherung und Gereiztheit kann man in diesen Tagen vermehrt bei sich und anderen Menschen bemerken. „Für einen selbst kann es hilfreich sein, dem Selbstmitgefühl mehr Raum zu geben und fürsorglicher sowie achtsamer mit sich umzugehen. Sich etwas Gutes tun und das persönliche Stresslevel durch entspannende Maßnahmen zu senken, ist eine Möglichkeit, die man selbst in der Hand hat, um mit den aktuellen Herausforderungen auf eine freundliche Weise umzugehen“ rät Dr. Roth-Sackenheim. „Ist man der Gereiztheit anderer Menschen oder Kollegen ausgesetzt, sollte man das nicht gleich persönlich nehmen, sondern ein Stück weit akzeptieren, dass bei vielen Menschen die Nerven gerade etwas blank liegen.“ Eine spontane Hilfsbereitschaft in Krisensituationen ist ein wichtiger Eckpfeiler des Miteinanders und kann die Resilienz Einzelner aber auch einer Gesellschaft stärken. Die Erfahrung, dass es durch Kooperation gelingen kann, Risiken einzudämmen und in Notlagen mehr Sicherheit zu schaffen, trägt entscheidend zur Bewältigung und Zuversicht in schwierigen Lagen bei, und verbessert die Reaktion auf krisenhafte Situationen.

Werden Menschen von der aktuellen Corona-Krise derart ergriffen und verängstigt, dass sie Ihren Alltag nicht mehr bewerkstelligen können und beispielsweise das Haus auf gar keinen Fall mehr verlassen möchten, sollten sie unbedingt zeitnah einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu Rate ziehen. Diese Empfehlung gilt auch, wenn die Ängste nach Abklingen der Infektionswelle weiterhin bestehen.

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