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07.10.2020

Corona-Krise und psychische Gesundheit: Präventions- und Hilfsangebote nutzen und eigene Kräfte entdecken

Die Corona-Pandemie stellt eine komplexe Belastungssituation dar, die an kaum einem Menschen spurlos vorüber geht. Strapaziert werden psychisch erkrankte Menschen aber auch gesunde Menschen, denn die Krisensituation betrifft in unterschiedlichem Maße fast alle.

Die Corona-Pandemie stellt eine komplexe Belastungssituation dar, die an kaum einem Menschen spurlos vorüber geht. Unsicherheit, Ängste um die eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer Menschen, existenzielle Zukunftsängste und eine herausfordernde Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Krise stellen große Beanspruchungen dar. Auch der Lebensalltag hat sich deutlich verändert und Menschen müssen mit reduzierten sozialen Kontakten und oft wenig körperlicher Nähe bis hin zur sozialen Isolation klarkommen. „Wir dürfen nicht unterschätzen, wie groß in einer solchen Krisensituation die Gefahr für unsere psychische Gesundheit ist, denn wir haben praktisch keine Vorerfahrungen, die wir zur Bewältigung einer solchen komplexen Belastungssituation nutzen können. Zudem bringt die Pandemie einige typische Aspekte mit sich, mit denen Menschen nur schwer umgehen können wie eine Bedrohung, die wir nicht direkt wahrnehmen und beeinflussen können. Das hat nicht selten ein Gefühl von Kontrollverlust zur Folge“, erklärt Prof. Arno Deister von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. Besonders herausfordernd ist die Situation für diejenigen, die unter einer psychischen Erkrankung leiden und deren Probleme mit der Krise intensiver werden oder erneut auftreten. Strapaziert werden psychisch erkrankte Menschen aber auch gesunde Menschen, denn die Krisensituation betrifft in unterschiedlichem Maße fast alle. „Gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht übersehen, wie lernfähig wir sind und welche Möglichkeiten in uns stecken, um besser durch Krisen zu kommen. Beispielsweise zeigt sich, dass einige der Menschen mit psychischen Erkrankungen selbstwirksamer die Krise bewältigen, weil hier erkrankungsbedingt bereits Erfahrungen mit psychischen Belastungen etwa durch Angsterkrankungen oder Depressionen bestehen. Diese Menschen haben sich durch Therapien persönliche Strategien zur Förderung ihrer psychischen Gesundheit angeeignet, auf die sie nun zurückgreifen können.“

Aktionswoche der Seelischen Gesundheit ermöglicht Einblicke zur Bewältigung der Ausnahmesituation

Mit dem Eintreten der Corona-Krise stellt sich plötzlich für viele Menschen, nicht nur für psychisch Erkrankte, nun unmittelbar die Frage, was sie tun können, um gesund zu bleiben – gerade im Hinblick auf die psychische Gesundheit? Erfreuliche Aspekte der Krise sind, dass in relativ kurzer Zeit auch viele Hilfsangebote zur Unterstützung der psychischen Gesundheit angeboten wurden oder mehr Aufmerksamkeit bekommen haben, um Belastungen der Krisensituation abzufangen. „Es gibt viele Wege, förderlich auf die eigene psychische Gesundheit einzuwirken und diese Chance können und sollten wir gerade jetzt für uns nutzen. Die verschiedenen Möglichkeiten der Prävention und Selbsthilfe für sich zu erlernen kann zudem eine überaus bereichernde Erfahrung sein – gerade in Zeiten, in denen unser Bewegungsspielraum und unsere Aktivität durch äußere Umstände eingeschränkt sind,“ betont Prof. Deister. Den psychischen Auswirkungen der Pandemie und den Möglichkeiten zum Umgang mit der Krisensituation widmet sich auch die diesjährige Aktionswoche der Seelischen Gesundheit dem Motto „Mit Kraft durch die Krise. Gesund bleiben – auch psychisch“. In der Aktionswoche werden praktische Hilfsangebote für jedermann vorgestellt. Mit einem vielseitigen Programm sollen psychische Erkrankungen, ihre Prävention und Behandlung sowie Strategien zur Bewältigung der Ausnahmesituation in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden.

Beschwerden durch Corona-Krise können sich unterschiedlich zeigen

Die Corona-Pandemie hat Stress auf vielen Ebenen ausgelöst, wobei sich das Ausmaß der langfristigen psychosozialen Folgen erst in den kommenden Monaten zeigen wird. Krankmeldungen aufgrund psychischer Diagnosen haben seit Beginn der Corona-Krise zugenommen. Besonders betroffen sind Menschen, die direkt durch Covid-19 verursachtes Leid erleben müssen. Psychische Belastungen können sich dabei nicht nur in psychischen Symptomen wie Angst oder Depressivität bemerkbar machen, sondern auch in Form von körperlichen Beschwerden zeigen. „Emotionaler Stress kann sich auch durch körperliche Symptome wie Herzklopfen, Atemnot, Engegefühl in der Brust, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen und Schlafstörungen äußern. Es ist gerade beim Auftreten von Beschwerden wichtig, in sich hinein zu spüren, wie geht es mir und was kann mir helfen“, meint Prof. Deister. Nützlich ist das Erlernen von Achtsamkeitsübungen, mit denen man regelmäßig prüfen kann, in welchem mentalen Zustand man sich gerade befindet. Meditation und Entspannungstraining können helfen, Einfluss auf das vegetative Nervensystem zu nehmen und eine bewusstere Verbindung zum Körper, der Atmung und den Gefühlen herzustellen und diese positiv zu beeinflussen.

Die Fachgesellschaft DGPPN hat eine Übersicht mit hilfreichen Angeboten erstellt. Darunter sind digitale Versorgungsangebote sowie Tipps zur Selbsthilfe für jedermann. Bessern sich die Probleme nicht oder hat man das Gefühl, tatsächlich psychisch erkrankt zu sein, sollte man sich stets fachlichen medizinischen Rat einholen und eine Diagnose erstellen lassen.

Weitere Informationen:

Aktionswoche zur seelischen Gesundheit – Informationen und Tipps für kreative Veranstaltungsformate unter https://aktionswoche.seelischegesundheit.net

Aktionswoche zur seelischen Gesundheit – Veranstaltungskalender: https://aktionswoche.seelischegesundheit.net/bundesweit/veranstaltungen-bundesweit

Übersicht zu Hilfsangeboten der DGPPN: https://www.dgppn.de/schwerpunkte/COVID-19.html