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19.02.2020

Bei Lieferengpässen von Psychopharmaka frühzeitig mit Arzt und Apotheker sprechen

Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind zahlreiche Medikamente gelistet, die von ihren Herstellern aktuell nicht geliefert werden können. Unter diesen Präparaten finden sich auch einige Psychopharmaka, wie beispielsweise Antidepressiva. Patienten, die auf diese Medikamente angewiesen sind, müssen unter Umständen eine Umstellung auf ein anderes Medikament in Kauf nehmen.

Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind zahlreiche Medikamente gelistet, die von ihren Herstellern aktuell nicht geliefert werden können. Unter diesen Präparaten finden sich auch einige Psychopharmaka, wie beispielsweise Antidepressiva. Patienten, die auf diese Medikamente angewiesen sind, müssen unter Umständen eine Umstellung auf ein anderes Medikament in Kauf nehmen. Grundsätzlich ist es dann hilfreich, sich möglichst frühzeitig mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, um ein Folgerezept zu bekommen bzw. eine Ersatzmedikation mit ihm zu besprechen. „Gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen kann die Information, dass ein Medikament nicht erhältlich ist, sehr belastend sein. Um Verunsicherung oder gar Ängsten entgegenzuwirken, sollten sich Betroffene rechtzeitig sowohl mit ihrem behandelnden Arzt als auch mit ihrem Apotheker besprechen, damit sie im Bedarfsfall noch einen kleinen Vorrat an Medikamenten zuhause haben“, rät Prof. Gerhard Gründer von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit Gesellschaftssitz in Berlin. Dabei können auch mögliche Alternativen besprochen werden, so dass sich Patienten gegebenenfalls auf eine Therapieumstellung vorbereiten können, die in bestimmten Fällen in Kauf genommen werden muss.

Spielraum für Umstellung bei Medikamenten ist meist gegeben

Grund zur Sorge besteht bei Lieferengpässen in der Regel nicht, denn oft kann auf Präparate anderer Hersteller zurückgegriffen werden. Möglich ist auch manchmal, auf eine andere Stärke des gleichen Medikaments auszuweichen, denn unter Umständen sind andere Stärken weiterhin lieferbar. Die Einnahme wäre dann entsprechend der ursprünglichen Verordnung anzupassen – z.B. durch das Teilen von Tabletten oder eine doppelte Einnahme. „Bei einer Umstellung von Medikamenten ist es natürlich wichtig, dass es keine Unklarheiten gibt und die Arzneien sorgfältig und korrekt eingenommen werden, immer in Absprache mit dem Arzt. Das Führen eines Medikamentenplans kann dann hilfreich sein – insbesondere, wenn mehrere Medikamente eingenommen werden“, ergänzt Prof. Gründer. Über einen Medikamentenplan ist es auch möglich, Veränderungen zu dokumentieren, die möglicherweise bei Ersatzpräparaten auftreten. Wenn man das Gefühl hat, dass das neue Medikament Probleme bereitet, sollte man unbedingt mit dem Arzt darüber sprechen.

Einem Teil der Patienten droht Unterversorgung

Viele Patienten können gut auf andere Wirkstoffe umgestellt werden. Das gilt jedoch nicht für alle. So ist eine Umstellung auf einen anderen Wirkstoff – z.B. bei Antidepressiva – nicht immer problemlos möglich. „Werden Patienten umgestellt, kann es mitunter zu Absetzsymptomen vom alten Medikament oder unerwünschten Wirkungen des neuen Präparates kommen. Eine engmaschigere Überwachung durch den behandelnden Arzt ist dann notwendig“, betont Prof. Gründer.

Aktuell sind beispielsweise Patienten von Lieferengpässen betroffen, die das Antidepressivum Venlafaxin einnehmen. Venlafaxin ist nur eingeschränkt oder gar nicht als Generikum lieferbar. Nur das Originalpräparat ist noch erhältlich, was aber in der Regel mit erheblichen Mehrkosten für die Patienten verbunden ist. Patienten, die sich diese Mehrkosten nicht leisten können, bleiben unterversorgt, sie müssen auf einen anderen Wirkstoff umgestellt werden. Zwar gibt es mit Duloxetin und Milnacipran pharmakologisch ähnliche Substanzen, doch zeigt die klinische Erfahrung, dass sich viele Patienten auf diese Alternativen nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten umstellen lassen. Lieferengpässe können für Patienten also grundsätzlich nachteilig sein, selbst wenn es sich dabei nicht um echte Versorgungsengpässe handelt.

Eine wesentliche Ursache für die hohe Zahl an Lieferengpässen bei Medikamenten liegt in der Verlagerung der Produktion in außereuropäische Länder, verbunden mit der Konzentration auf wenige Standorte. Weil Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln zunehmend die Patientenversorgung bedrohen, bemühen sich ärztliche Fachgesellschaften, wie die DGPPN, um ein konsequentes Vorgehen gegen Engpässe. Ein wesentlicher Ansatz dabei ist, die Wirkstoffe zu definieren, die als versorgungsrelevant für die Gesamtbevölkerung gelten und deren Verfügbarkeit über die nationale Arzneimittelversorgung sichergestellt ist.

Medikamente, die in Deutschland von Lieferengpässen betroffen sind, listet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aktuell auf seiner Homepage: http://lieferengpass.bfarm.de/ords/f?p=30274:2:609130577714::NO 

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