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News

06.07.2017

Vermutlich schaden schon geringe Mengen Alkohol dem Gehirn

Die Ergebnisse einer britischen Studie legen nahe, dass bereits moderater Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum negative Auswirkungen auf das Gehirn hat.

Britische Wissenschaftler um Anya Topiwala von der University of Oxford wollten der Frage nachgehen, welchen Einfluss Lebensstil, Stress und sozioökonomischer Status auf die Gesundheit von Menschen haben. Es wurde auch der längerfristige Konsum von Alkohol und dessen Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit betrachtet. Basis der Untersuchungsdaten waren regelmäßige Befragungen unter Beamten und öffentlich angestellten Personen, die seit 1985 über einen Zeitraum von 30 Jahren durchgeführt wurden (Whithall II-Studie). Dabei wurde in Abständen von fünf Jahren auch nach dem Alkoholkonsum der Studienteilnehmer gefragt und die Gehirne der Probanden wurden zum Studienende mittels Kernspintomografie untersucht.

Insgesamt gingen in die Studie die Daten von 550 Studienteilnehmern ein. Die Männer und Frauen waren im Schnitt 43 Jahre alt und laut Mitteilung der Universität nicht alkoholabhängig. Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass diejenigen Personen, die mehr als 240 Gramm Alkohol wöchentlich zu sich nahmen und damit einen hohen Alkoholkonsum aufwiesen, das größte Risiko für den Abbau von Nervenzellen im Hippocampus im Vergleich zu jenen hatten, die abstinent waren. Der Hippocampus ist unter anderem zuständig für Gedächtnis und Lernen, räumliche Orientierung. Selbst bei moderatem Alkoholkonsum - also Alkoholmengen zwischen 116 und 168 Gramm pro Woche - zeigten sich Hinweise auf einen Abbau von Zellen im Hippocampus.
Wurden weniger als 56 Gramm Alkohol pro Woche konsumiert, zeigten sich keinerlei vorteilhafte Effekte: Geringer Alkoholkonsum hatte gegenüber abstinenten Studienteilnehmern keine Vorteile.

Insgesamt stellten die Forscher also fest, dass Studienteilnehmer die alkoholabstinent waren, auch nach Jahren bessere kognitiv-sprachliche Fähigkeiten hatten als diejenigen, die geringe, mäßige oder große Mengen an Alkohol tranken.

Die Autoren weisen darauf hin, dass sie keinen schützenden Effekt von kleinen Mengen an Alkohol feststellen konnten. Sie betonen aber auch, dass es sich bei ihrer Untersuchung um eine Beobachtungsstudie handelt und ein ursächlicher Zusammenhang damit nicht bewiesen ist. Nichts desto trotz werde es im Hinblick auf die Untersuchung schwieriger, auch moderaten Konsum von Alkohol zu rechtfertigen.

Veröffentlichung: Moderate alcohol consumption as risk factor for adverse brain outcomes and cognitive decline: longitudinal cohort study, BMJ 2017; 357 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.j2353 (Published 06 June 2017)
Quelle und weiterführende Informationen: Ärzte Zeitung online, 07.06.2017