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05.04.2018

Jahrbuch Sucht: Konsum von legalen und illegalen Drogen groß

In Deutschland werden nach wie vor in einem großen Umfang Drogen konsumiert - darunter viel Tabak, Alkohol aber auch illegale Konsummittel wie Cannabis. Alkoholkonsum ist das größte Problem unter den Suchtmitteln.

Die Deutschen trinken immer noch viel zu viel Alkohol. Nach einer Analyse des neuen Jahrbuchs Sucht konsumiert jeder Bundesbürger über 15 Jahre im Schnitt 10,7 Liter reinen Alkohol im Jahr. Das entspricht einem gefüllten Eimer. Die Zahlen beziehen sich auf neue Berechnungen für das Jahr 2015. «Alkohol ist mit Abstand das massivste Problem», sagte Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), bei der Vorstellung des Jahrbuchs in Berlin. Das Jahrbuch Sucht stellt jedes Jahr Statistiken zu legalen und illegalen Drogen in Deutschland zusammen und ergänzt sie mit eigenen Daten zur Suchthilfe. Pro Kopf tranken Erwachsene in Deutschland demnach 2016 im Schnitt rund 134 Liter Alkoholika - von der Menge her eine gut gefüllte Badewanne. Damit ist der Konsum im Vergleich zum Vorjahr nur minimal gesunken - um 1,25 Prozent.

Auch im internationalen Vergleich bleibe Deutschland beim Thema Alkohol ein Hochkonsumland, sagte Ulrich John, Leiter des Instituts für Sozialmedizin an der Universität Greifswald. Die Folgen klingen dramatisch. So kommen laut Jahrbuch in Deutschland pro Jahr rund 10 000 Babys alkoholgeschädigt auf die Welt. 2,65 Millionen Kinder wachsen mit alkoholkranken Eltern auf. Und acht Millionen Angehörige leiden an der Alkoholsucht eines Familienmitglieds mit - zum Beispiel durch Schamgefühle, Zukunftsängste und im Extremfall durch Gewaltausbrüche bis hin zu sexuellem Missbrauch.

Auch der Konsum anderer legaler und illegaler Drogen ist in Deutschland nach dem neuen Jahrbuch zu hoch. Der Verbrauch von Tabakwaren ist demnach 2017 sogar leicht um rund ein Prozent gestiegen. Die Zunahme ging vor allem auf das Konto von Pfeifentabak. Denn Pfeiferauchen ist nicht mehr nur eine Passion älterer Herren. Mit der Retrowelle ist das Schmauchen auch bei jungen Leuten zum Trend geworden. Der Konsum stieg zuletzt um mehr als ein Viertel auf 3245 Tonnen Pfeifentabak an (28,7 Prozent). Der Verbrauch von Zigaretten und Zigarillos ging dagegen um rund sieben Prozent zurück.

Bei den illegalen Drogen bleibt Cannabis auf einem Spitzenplatz. Nach den jüngsten Zahlen für 2015 haben rund 7 Prozent der 12- bis 17-jährigen Teenager und 6 Prozent der 18- bis 64-jährigen Erwachsenen in einem Jahr Joints geraucht. Insgesamt sei damit innerhalb der vergangenen 25 Jahre ein zunehmender Trend zu verzeichnen, heißt es im Jahrbuch.

Cannabis sei zwar die illegale Droge, die am häufigsten konsumiert werde, sagte Gaßmann. Sie verursache aber nicht die meisten Probleme.
Die steigende Zahl der Drogentoten - 2016 waren es 1333 - lege die Vermutung nahe, dass der Gebrauch harter Drogen wie Heroin wieder zunehme. Eine bewährte Erfolgsgeschichte bei Hilfsangeboten seien Drogenkonsumräume mit Beratern, ergänzte er.

Nach dem neuen Jahrbuch sind in Deutschland auch weiterhin 1,2 bis
1,5 Millionen Menschen von Arzneimitteln abhängig - insbesondere von Tranquilizern und Schlafmitteln. Besonders betroffen seien ältere Menschen, vor allem Frauen.

Auch Glücksspiele reizen laut Jahrbuch weiterhin viele Bundesbürger.
Rund ein Drittel (37 Prozent) gab 2017 an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate gespielt zu haben. Damit habe sich dieser Wert im Vergleich zu früheren Erhebungen stabilisiert. Bei 326 000 Menschen in Deutschland gilt ihr Glücksspielverhalten als problematisch, bei weiteren 180 000 bereits als krankhaft.

Quelle: dpa