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News

21.09.2017

Demenz: Vertrautheit gegenüber Angehörigen überdauert lange

Menschen mit Demenz brauchen vertraute Angehörige um sich, damit sich ihr Wohlgefühl stabilisiert. Auch wenn sie ihre Angehörigen nicht mehr erkennen, kann das Gefühl von Vertrautheit in ihrer Anwesenheit noch verankert sein.

Im Verlauf einer dementiellen Erkrankung verändert sich die Hirnleistung von betroffenen Menschen sowie auch die Verhaltensweisen. Häufig nehmen auch körperliche Symptome im Erkrankungsverlauf zu. Das Erkrankungsbild verändert sich nicht nur im Verlauf der Krankheit, sondern variiert oft auch mit der Tagesform und der Tageszeit.

Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung sind für Demenzkranke von besonderer Bedeutung. Dabei spielen Angehörige eine besondere Rolle und Besuche von vertrauten Personen sind besonders wichtig. Auch wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie einen Angehörigen nicht mehr erkennen, sollte man die Besuche keinesfalls einstellen, rät Silvio Friedrich, Leiter des Bürgerstiftes am Heiligen See in Potsdam. „Vielleicht erkennt er den Menschen nicht mehr bewusst, aber das Gefühl von Vertrautheit geht zuletzt verloren“, ist Friedrichs Erfahrung.

Können Angehörige darüber hinwegsehen, dass sie nicht mehr erkannt werden, können sie schnell positiv bemerken, welche große Rolle menschliche Regungen spielen. Die Hand des Erkankten zu halten, kann ihm deshalb auch dann noch sehr viel geben, wenn er das Gesicht des Angehörigen nicht mehr einordnen kann.

Für die Angehörigen oder Freunde ist diese Situation meist sehr belastend. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann dann hilfreich sein. Das gemeinsame Gespräch, der Austausch von praktischen Tipps, Anregungen und Erfahrungen mit professionellen Hilfen vor Ort können den alltäglichen Umgang mit den Kranken erleichtern.

Quelle: dpa