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17.12.2018

Bei Problemen nicht zögern: Psychologische Beratung für Studenten

Stress, Prüfungsangst oder gar Zweifel an der Studienwahl: Die Gründe, warum Studierende ins Grübeln kommen, können vielseitig sein. Dann kann die psychologische Beratung an der Hochschule helfen. Doch wie läuft das eigentlich ab, und geht das auch anonym?

Die nächste Prüfungsphase steht an, und wieder geistern einige Fragen im Hinterkopf: Wie soll ich den Stoff noch schaffen? Was passiert, wenn ich nicht bestehe? Das sind Sorgen, mit denen Studierende nicht gerne alleine sind. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse und der Freien Universität Berlin hat 2018 gezeigt, dass etwa jeder vierte Studierende über Stress und Erschöpfung klagt.

Wen im Studium Sorgen, Ängste oder die hohe Belastung plagen, der kann sich Hilfe holen. Doch wie sieht so etwas eigentlich aus? «Wir bieten psychologische Einzelgespräche mit Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an», erläutert Michael Cugialy von der Zentraleinheit Studienberatung und Psychologische Beratung der FU Berlin. Darüber hinaus gebe es auch Gruppen-Workshops zu verschiedenen Themen: zum Beispiel für Studenten, die Angst vor Prüfungen oder Referaten haben. Aber auch für diejenigen, die sich mit ihrer Zeiteinteilung immer wieder verzetteln, die unter Stress leiden oder Schreibblockaden haben. Auch wer nach langer Pause sein Studium wieder aufnehmen möchte, kann sich beraten lassen.

Ähnliche Angebote gibt es an fast allen Hochschulen in Deutschland, zum Beispiel an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In kritischen Situationen bietet dort die psychologische Beratung der Zentralen Studienberatung Hilfe und Begleitung an. Ein Vorteil: Die Experten kennen auch die Hochschule genau und können bei studentischen Problemen gezielt beraten, erklärt Diplom-Psychologe und Studienberater Volker Koscielny.
Daneben hat die WWU Münster ein weiteres Unterstützungsangebot: die Psychotherapieambulanz. Dort bekommen Studenten Beratung, wann und ob sie eine Psychotherapie aufnehmen sollten. Unter anderem gibt es dort auch ein regelmäßiges Gruppenangebot zum Thema Aufschiebeverhalten.

Auch das Studentenwerk bietet psychologische Beratung an

Alternativ zum Angebot an Hochschulen können sich Studierende auch an die psychologische Beratung des Studentenwerks wenden. Dort gibt es ebenfalls Einzelgespräche. «Hier stehen die individuellen Anliegen, Probleme und Belastungen der Studierenden im Mittelpunkt und natürlich die Entwicklung und Erprobung von individuellen Lösungsmöglichkeiten», erläutert Astrid Kaiser, Leiterin des Referats Beratungsangebote und der Servicestelle Familienfreundliches Studium. Über das Studentenwerk können Ratsuchende auch spezifische Materialien, wie etwa Checklisten zum Thema Prüfungsvorbereitung und Lerntechniken bekommen.

Der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zufolge herrscht bei studienbezogenen Themen vor allem Beratungsbedarf zu Arbeitsorganisation und Zeitmanagement sowie zu Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten. Bei den persönlichen Themen ist vor allem mangelndes Selbstwertgefühl ein Problem, zu dem sich Studierende Beratung wünschen. «Die Ergebnisse spiegeln die Praxiserfahrung gut wider», ist Astrid Kaisers Einschätzung. Michael Cugialy sieht ähnliche Schwerpunkte: «Die häufigsten Probleme sind Arbeits- und Leistungsstörungen, gefolgt von depressiven Störungen oder Episoden», erklärt er. Entscheidungs- und Motivationsprobleme, Ängste, Stress und Überforderung spielen seiner Erfahrung nach ebenfalls eine Rolle.

Wenn Studierende Gesprächsbedarf haben, können sie sich einfach via Mail oder Anruf bei den psychologischen Beratungsstellen melden - auf Wunsch auch anonym. «In manchen Fällen hilft schon ein telefonisches Gespräch mit einem Berater oder eine Information über Mail weiter», sagt Cugialy. Meist werde jedoch ein persönlicher Gesprächstermin vereinbart. An der WWU Münster dauert eine solche Einzelberatung in der Regel 50 Minuten. Nach einem ersten Gespräch werden möglicherweise weitere Termine vereinbart, oder die Experten verweisen die Studenten an eine spezialisierte Beratungsstelle.

Bei Problemen zeitnah professionelle Hilfe suchen

Grundsätzlich sollten Studierende nicht zögern oder zu lange warten, ein Hilfsangebot zu nutzen. «Es ist nicht notwendig, besonders schwerwiegende Probleme zu haben, um professionelle Beratung aufzusuchen. Wir stellen immer wieder fest, dass Studierende sich selbst sehr strenge Kriterien setzen, ab wann sie ihrer Meinung nach Beratung nutzen «dürfen»», erläutert Astrid Kaiser. Das führe eher dazu, dass viele zu spät zur Beratung kommen - wenn Belastungen chronisch geworden oder ernste Störungen entstanden sind.
In einigen Fällen, wie zum Bespiel bei einer Depression, reicht jedoch die psychologische Beratung an der Hochschule nicht aus. An der FU Berlin werden Studierende dann zum Beispiel darüber aufgeklärt, warum eine Psychotherapie sinnvoll ist und wie sie an einen Therapieplatz bei niedergelassenen Kollegen kommen können, erklärt Michael Cugialy.

Auch für akute Notfälle ist die Beratung der Hochschule nicht ausgerichtet. «Wir bieten keine unmittelbare Krisenintervention an», erklärt Volker Koscielny von der WWU Münster. Für solche Fälle verweisen Koscielny und sein Team auf ihrer Website an Einrichtungen wie den Verein Krisenhilfe e.V. oder den Psychiatrischen Notdienst.

Psychologische Beratung der Studentenwerke: http://dpaq.de/Zbmrs

Quelle: dpa