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04.10.2019

Ausgebrannt: Soziale Konflikte spielen bei Burnout zentrale Rolle

Das Syndrom körperlicher und geistiger Erschöpfung kann die Summe verschiedener Ursachen sein, wobei unterschiedliche Konflikte möglicherweise einen großen negativen Effekt haben.

Von Meeting zu Meeting hetzen, tägliche Überstunden und wenig Schlaf galten viele Jahre als die typischen Ursachen eines Burnouts. Auch eine durch Zeitdruck bedingte ungesunde Ernährung sowie ein Mangel an Bewegung fielen oft als Schlagwörter. Doch mittlerweile glauben Experten: Wenn jemand sich ausgebrannt fühlt, kann das viele Gründe haben - und damit auch unterschiedliche Gruppen treffen.

„Streng genommen ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Burnout keine Krankheit, sondern ein «Faktor, der die Gesundheit beeinträchtigen kann»“, sagt Enno Maaß von der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). Betroffene fühlen sich aufgrund beruflicher oder anderer andauernder Überlastung geistig, körperlich und emotional erschöpft. „Sie sind oft lustlos, gereizt und angespannt, zynisch und gleichgültig. Außerdem können sie ihre Aufgaben nicht mehr oder kaum noch bewältigen“, ergänzt Maaß. Hinzu kommen nicht selten Unruhe, innere Leere, Angstgefühle, Schlafprobleme und niedrige Motivation für Alltagsaufgaben, so Maaß. Auch Lebensfreude und Selbstwertgefühl seien oft beeinträchtigt.

Konfliktreiche Beziehungen als zentraler Faktor

„Lange Zeit ist davon ausgegangen worden, dass Burnout durch zu viel Arbeit entsteht. Das ist nicht so“, sagt auch die Ärztin und Autorin Mirriam Prieß. Sie hat sich in ihrem Buch «Burnout kommt nicht nur von Stress» intensiv mit dem Thema befasst. Der Beziehungsaspekt spiele die zentrale Rolle bei der Entstehung eines Burnouts. So habe jeder, der von einem Burnout betroffen sei, konfliktreiche Beziehungen und die Beziehung zu sich selbst verloren. „Ohne Konflikt gibt es keinen Burnout“, so Prieß. Viele Burnout-Betroffene haben sich in Kämpfen erschöpft. „Mit dem Partner, Arbeitgeber, Kollegen, mit dem System, in dem sie sich befanden, aber auch mit Lebenssituationen wie Verluste, Scheitern, Krankheit, die sie nicht akzeptieren wollten“, ergänzt die Medizinerin.

Die Faktoren, die einen Burnout zudem fördern, sind vielfältig. So kann auch Perfektionismus nach Angaben von Anette Wahl-Wachendorf ein weiteres Risiko darstellen. „Aber auch das familiäre Umfeld kann Auslöser sein, wie zum Beispiel die Pflege von Angehörigen“, so die Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW).

Balance zwischen Geben und Nehmen

Ein Burnout kann aber grundsätzlich jeden treffen. „Besonders häufig betroffen sind Berufstätige im mittleren Lebensalter und mit eher höherer Schulbildung, höherem Einkommen oder höherer beruflicher Stellung“, erklärt der stellvertretende DPtV-Bundesvorsitzende Maaß. Wer einem Burnout vorbeugen möchte, sollte sich regelmäßig fragen, ob er sich grundsätzlich in der Lage fühlt, die Anforderungen seiner Arbeit gut zu bewältigen, so Maaß.

Zudem kann jeder selbst aktiv werden. „Stärken Sie Ihre Dialogfähigkeit, das heißt, sorgen Sie für ein Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben, sowohl in Ihren Beziehungen als auch in dem, was Sie tun“, sagt Prieß. Denn eine Burnout-Symptomatik sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Bei drei Viertel der Betroffenen treten begleitend psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen auf. Dies kann bis zur Suizid-Gefahr gehen“, erklärt Maaß.

Prävention und Behandlung gehen vor Jobwechsel

Bei Anzeichen eines Burnouts müsse zunächst versucht werden, stärker auf Phasen der Erholung zu achten, erklärt Maaß. So ist es ratsam, Urlaub vollständig und gleichmäßig zu nehmen. Auch regelmäßige Pausen sollten in den Tagesablauf eingebaut werden. Unter Umständen muss die Arbeit auch anders strukturiert werden, damit das Verhältnis zwischen Freizeit und Job ausgewogener ausfällt. Sport und Entspannung können ebenfalls helfen.

Ändert sich die Situation nicht, ist psychiatrisch-psychotherapeutische Hilfe ratsam. Wichtig ist zu klären, ob es sich möglicherweise eine psychische Erkrankung hinter den Beschwerden verbirgt.

„Wichtig ist dabei, dass die Betroffenen ihre persönlichen Warnsignale für Überforderung kennenlernen und für sich herausfinden, wie sie aktiv verhindern können, erneut zu erkranken“, ergänzt Maaß. Wenn der Beruf der Hauptauslöser eines Ausbrennens ist, muss man aber nicht gleich kündigen werden. „Ein Jobwechsel steht ganz am Schluss - nach Prävention und Behandlung“, erklärt Wahl-Wachendorf vom VDBW, die sich besonders mit Berufsthemen aus ärztlicher Sicht auseinandersetzt. Grundsätzlich sollte die Führungs- und Unternehmenskultur kritisch hinterfragt werden. Eventuell könne schon ein klärendes Gespräch mit dem Vorgesetzten oder ein interner Wechsel helfen.

Burnout entsteht durch zu viel Stress, Selbstüberforderung und soziale Konflikte. Wer jedoch für ausreichende Ruhepausen sorgt und sein tägliches Leben in Beruf und Privatem nach seinem Wohlbefinden ausrichtet, hat beste Chancen, einen Burnout zu umgehen.

Quelle: dpa