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News

05.10.2017

Alkoholproblem in der Familie: Auch Angehörige brauchen Hilfe

Ein Feierabendbier oder das Gläschen Wein am Abend - oder auch zwei oder drei: Für Freunde, Verwandte und Kollegen ist es oft schwer zu erkennen, ob jemand in ihrem Umfeld ein Alkoholproblem hat. Bestätigt sich dann der Verdacht, sollten sich auch Angehörige Hilfe holen.

Wenn ein Familienmitglied ein Alkoholproblem hat, sollten sich auch die Angehörigen Hilfe von außen holen. Denn wer das Problem anerkennt, kann sogenannten Co-Abhängigkeiten vorbeugen. Diese treten häufig auf, weil Angehörige Suchtkranke decken und versuchen, den übermäßigen Konsum zu vertuschen. „Sie halten die heile Welt aufrecht, bis es nicht mehr geht“, sagt Wolfgang Schulz, Suchtexperte und Professor für Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig. Das ist verständlich, ändert aber meist nichts.

Druck von außen kann Suchtkranken hingegen helfen, einen Weg aus der Sucht heraus zu finden. Einen Satz wie „Ich trenne mich, wenn du nicht aufhörst zu trinken“ sollten Partner aber nur sagen, wenn sie dazu wirklich bereit sind. Es bringt nichts, leere Drohungen auszusprechen.

Selbsthilfegruppen sind für alle Beteiligten hilfreich

Wichtig ist es, dass Suchtkranke und Angehörige in der Therapiephase nicht in alte Verhaltensmuster verfallen. Selbsthilfegruppen oder Suchtberatungsstellen können auch Angehörigen helfen. Die Beratung dort ist kostenlos, die Mitarbeiter sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. In der Beratung lernen Angehörige, wie sie den Suchtkranken unterstützen und sich dennoch abgrenzen können. Dies ist wichtig, denn wer länger der belastenden Situation ausgesetzt ist, kann selbst psychische Probleme wie Depressionen entwickeln.  
Das Umfeld kann zwar keine Diagnose stellen, dennoch sollten Angehörige Veränderungen frühzeitig und sensibel ansprechen. Mögliche Anzeichen für eine Sucht sind, wenn jemand vermehrt gereizt reagiert, zunehmend unzuverlässig ist, schlecht schläft, schwitzt oder zum Beispiel häufiger über Schwindel und Übelkeit klagt.

Quelle: dpa, Zeitschrift «Apotheken Umschau» (Ausgabe 9A/2017)