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News

22.11.2010

Alkohol und Drogen: Wo bekomme ich Hilfe bei Sucht?

Selbsterkenntnis ist der erste Weg zu Besserung: Dieser Spruch gilt für Süchtige ganz besonders. Denn erst wenn sie einsehen, dass sie abhängig - etwa von Alkohol oder Drogen - sind, können sie davon loskommen. Viele Anlaufstellen helfen beim Ausstieg aus der Sucht.

Sucht  kann verschiedene Formen und Ausmaße annehmen. Meist stecken Betroffene jahrelang in einem Teufelskreis, ohne einen Weg aus der Sucht zu finden. Wer jedoch genug von der Abhängigkeit und den Suchtmitteln hat, kann an verschiedenen Stellen verhältnismäßig unkompliziert Hilfe bekommen. „Der Ausstieg ist immer möglich“, betont Volker Weissinger, Geschäftsführer des Fachverbandes Sucht in Bonn. „Es nützt auch nichts, das über Monate oder gar Jahre zu verzögern - viele Süchtige verlieren so wichtige Lebenszeit, in der ihre Beziehungen zerbrechen und sie den Job verlieren können.“ Hilfe zu suchen sei daher ein wichtiger erster Schritt, um wieder zu sich selbst zu finden.

Eine gute Möglichkeit für erste Informationen sind telefonische HilfsangeboteSo gibt es zum Beispiel die anonyme Sucht- und Drogen-Hotline mit der bundesweiten Rufnummer 01805/313031. Sie ist ein gemeinsames Angebot der Drogennotrufe aus verschiedenen Städten und steht unter der Schirmherrschaft der Bundesdrogenbeauftragten.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln bietet an sieben Tagen der Woche ein Beratungstelefon an. Unter der Nummer 0221/892031 können Betroffene und auch Angehörige mit geschulten Psychologen oder Sozialarbeitern sprechen, sagt BZgA-Sprecherin Marita Völker-Albert. „Dort kann man seine Sorgen los werden, erzählen, was man für ein Suchtproblem hat und gemeinsam überlegen, welche Hilfe in dieser Situation am besten wäre.“ Wie lange das Gespräch dauert, sei dabei egal - das Angebot ist bis auf das Telefonat kostenlos.

Außerdem kann man bei dem Gespräch erfahren, welche Beratungsstellen es in der Nähe des eigenen Wohnortes gibt. „Die Mitarbeiter können zum Beispiel Telefonnummern durchgeben oder Tipps für die Suche im Internet geben.“ Online bietet die BZgA eine Suche nach Beratungsstellen an - geordnet nach Süchten und Regionen. Auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DSH) in Hamm listet auf ihrer Internetseite unter der Rubrik „Einrichtungssuche“ Kontaktdaten zahlreicher Anlaufstellen auf.

Viele Süchtige suchen dann als erstes eine ambulante Beratungsstelle auf. „Am besten ist es, vorher dort anzurufen und möglichst bald einen Termin zu vereinbaren“, rät Weissinger. In einem Gespräch wird dann geklärt, wie die aktuelle Situation einzuschätzen ist und welche konkreten Maßnahmen notwendig sind.

„Zunächst kann auch ein Entzug notwendig sein“, sagt der Experte. Dabei gehe es vorrangig um die körperliche Entgiftung. Die erfolgt meist im Krankenhaus und dauert beispielsweise bei Alkoholabhängigkeit in der Regel sieben bis zehn Tage. Wer weiß, dass er oder sie einen Entzug benötigt, könne sich auch von seinem Arzt des Vertrauens beraten und in eine Klinik vermitteln lassen - oder sich direkt an eine entsprechende Klinik wenden.

„Danach steht meist eine medizinische Rehabilitation an, die je nach Ausgangslage und Schweregrad entweder ambulant oder stationär durchgeführt werden kann“, erläutert Weissinger. Dafür sei in der Regel jedoch ein ärztliches Gutachten nötig. Deswegen kann etwas Zeit vergehen, bis die Entwöhnungsbehandlung bewilligt wird. Diese Wartezeit lässt sich mit weiteren Gesprächen in der ambulanten Beratungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe überbrücken - und lohnt sich meist: Nach einer 8- bis 16-wöchigen stationären Reha leben laut Weissinger mehr als die Hälfte der Betroffenen abstinent.

Bis es jedoch so weit ist, ist es häufig ein weiter Weg. „Die meisten Süchtigen brauchen Jahre, bis sie sich ihre Sucht eingestehen und bereit sind, Hilfe anzunehmen“, sagt Weissinger. DHS-Sprecherin Christa Merfert-Diete ergänzt: „Zum Krankheitsbild gehört auch, dass die Einsicht fehlt, dass man abhängig ist.“ Deswegen sei es für Angehörige und Freunde äußerst wichtig, bis dahin selber mit der Situation klarzukommen. „Es macht wenig Sinn, den Kampf gegen die Sucht aufzunehmen“, sagt sie. Ständige Kontrolle helfe genauso wenig wie den Betroffenen Verantwortung abzunehmen, beispielsweise indem man sie beim Arbeitgeber entschuldigt. „Das Problem darf nicht nach außen kaschiert werden, die Betroffenen müssen die Verantwortung für ihr Handeln selbst tragen.“

Angehörige und Freunde sollten sich stattdessen selber Hilfe holen und auf ihr eigenes Leben konzentrieren. „Sie sollten ihre Gesundheit schützen und lernen, sich konsequent zu verhalten.“ Dabei könnten Selbsthilfegruppen oder ambulante Beratungsstellen helfen.„Wenn sie ihr Leben leben, bringt dies auch ihre Angehörigen in Bewegung.“ Das sei oft ein längerer Prozess, der aber zum Ziel führt.

Im Jahr 2008 wurden der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zufolge bundesweit mehr als 303 600 Süchtige ambulant behandelt, weitere rund 29 800 stationär. Bei den meisten dieser Patienten wurde eine Alkoholsucht diagnostiziert. Auch die Abhängigkeit von illegalen Drogen und Cannabis war ein häufiger Behandlungsgrund.Glücksspiel und Medikamentensucht stehen weniger im Vordergrund.

Weitere Adressen:

InternetFachverband Sucht: www.sucht.deSucht- und Drogen-Hotline: www.sucht-und-drogen-hotline.deBZgA-Beratungsstellen: dpaq.de/CwRIzDHS- Beratungsstellen: dpaq.de/2UNeh

Telefonische Hilfe und BeratungSucht- und Drogen-Hotline, Rufnummer 01805/313031, rund um die Uhr, 14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz

Beratungstelefon der BZgA, Rufnummer 0221/892031, Montag bis Donnerstag 10.00 bis 22.00 Uhr, Freitag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, für das Telefonat fallen vom Anbieter abhängige Kosten an