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Pharmazeuten warnen vor Johanniskraut aus Discountern

Gegen depressive Verstimmungen können Arzneimittel mit Johanniskraut-Extrakten helfen. Für die Selbstmedikation sind rezeptfreie Arzneimittel erhältlich. Allerdings sollte bei anhaltenden oder sich verstärkenden Beschwerden unbedingt ein Facharzt konsultiert werden, damit er über eine angemessene Behandlung entscheiden kann. Einer Studie zufolge gibt es bei frei verkäuflichen Präparaten jedoch erhebliche Qualitätsunterschiede. Demnach steckt in den Präparaten einiger Discounter und Drogerien eine minderwertige Variante des Johanniskrauts aus China - diese Mittel wirkten unter Umständen nicht und seien womöglich unverträglich. Zu diesem Schluss kommt eine Stichprobe des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker, deren Resultat die „Pharmazeutische Zeitung“ veröffentlichte.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin kritisierte neben der geringeren Dosierung auch, dass die Produkte „hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit nicht untersucht“ seien. Das Risiko der Einnahme sei daher unklar. Der Leiter der Studie, Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, sagte dem Bericht zufolge: „Es ist absolut inakzeptabel und skandalös, dass es in Deutschland Produkte im Segment der traditionellen pflanzlichen Arzneimittel gibt, die mit Ramschextrakten aus China hergestellt werden.“

Prof. Susanne Alban vom Pharmazeutischen Institut der Christian-Albrechts-Universität in Kiel hat an der Analyse nicht mitgewirkt. Sie sagte, die mögliche Gefahr solcher Präparate könne zwar nicht verallgemeinernd beschrieben werden. Sie würde aber „jedem davon dringend abraten, so etwas einzunehmen“, fügte die Wissenschaftlerin hinzu. „Die Präparate werden ja in der Regel billiger angeboten. Irgendwo muss der Preisunterschied ja herkommen.“Die Autoren der Studie schreiben über die Produkte, dass ihre Arzneimittelqualität als „nicht verkehrsfähig einzustufen“ sei. Die gesetzlichen Anforderungen für freiverkäufliche Arzneimittel seien nicht erfüllt, „denn die Extrakte hätten nur auf Basis umfassender eigener Belege zur Wirkung und insbesondere zur Sicherheit und Unbedenklichkeit zugelassen werden können“.

Laut dem Zentrallaboratorium wurden für die Stichprobe von 2009 bis 2011 sieben verschiedene Johanniskrautpräparate in Drogerien und Supermärkten gekauft und analysiert. Johanniskraut gilt als Stimmungsaufheller, der gegen leichte Depressionen helfen kann. Zusammenfassung der Studie: dpaq.de/s8i1e

Quelle: dpa