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Alterspsychiater: Politik nimmt Demenz-Problem nicht ernst genug

Die Politik redet sich nach Angaben von Gerontopsychiatern das Ausmaß der Demenz-Erkrankungen schön. Heute gibt es bundesweit ein bis zwei Millionen Patienten,  bis 2050 werde sich diese Zahl verdoppeln.

Die Politik redet sich nach Angaben von Alterspsychiatern das Ausmaß der Demenz-Erkrankungen schön. Heute gebe es bundesweit ein bis zwei Millionen Patienten, 2050 werde sich diese Zahl verdoppelt haben, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, Hans Gutzmann, am Freitag am Rande eines Kongresses in Berlin. Einen «Gunter-Sachs-Effekt» - also mehr Beachtung für Demenz-Krankheiten - wird es nach Einschätzung der Experten nicht geben.

Der heutige Begriff von Pflegebedürftigkeit schließe Demenzkranke aus Sorge vor den Kosten fast aus. „Die Politik muss sich diesem Problem stellen“, forderte Gutzmann. Als erste Lösung sollten Kranken- und Pflegeversicherung zusammengelegt werden.Der 78 Jahre alte Unternehmer und Künstler Gunter Sachs hatte Anfang Mai offenbar aus Angst vor der Alzheimer-Krankheit Suizid begangen. „Der Sachs-Hype wird verbrennen“, sagte Gutzmann. Viel wichtiger sei es, die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen: Die deutsche Bevölkerung werde immer älter. Ab 80 Jahren steige das Demenzrisiko sprunghaft an. Ab 90 Jahren treffe die Krankheit bereits etwa jeden dritten Menschen. „Wir werden Demenzkranken bald überall begegnen. Jeder Nachbar, jeder Polizist und jeder Banker wird sich auf Hilfestellungen einrichten müssen“, ergänzte der Arzt. Dazu fehlten bald 140 000 Pflegekräfte und Zehntausende Mediziner.

Seit zwei Jahren hänge die Reform des Begriffs Pflegebedürftigkeit beim Bundesgesundheitsministerium in der Warteschleife, kritisierten die Alterspsychiater. Doch auch die Gesellschaft räume Demenz keinen hohen Stellenwert ein. Bei der Frage, für welche Erkrankungen viel Geld ausgegeben werden soll, antworteten die meisten Deutschen: für Notfälle, Krebs und Herzleiden. Nur die Älteren plädierten bei dieser Frage auch für Demenz.

Quelle: dpa