Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Altersdepression: Situation in der Schweiz

Die Schweizerische Gesundheitsbefragung 2007 stellt fest dass 5% der Bevölkerung die spezifischen Kriterien einer Major Depression erfüllen (Gesundheit und Gesundheitsverhalten in der Schweiz 2007, Bundesamt für Statistik). In allen Altersgruppen bis 64 Jahre ist ein etwa gleicher Anteil Personen von einer eigentlichen Depression betroffen. Ab 65 Jahren ist eine leicht sinkende Prävalenz zu beobachten. Zahlen über die Altersdepression liefert die Erhebung zum Gesundheitszustand von betagten Personen in Institutionen 2008/9 (Gesundheit von Betagten in Alters- und Pflegeheimen, Bundesamt für Statistik). Bei 28% der Heimbewohner liegt eine diagnostizierte Depression vor. Zusätzliche 34% erhielt die Diagnose Depression nicht, zeigt jedoch depressive Symptome. Dieser Befund ist konsistent mit der Literatur, dass im Alter ein Grossteil der Depressionen subsyndromal verläuft. Eine wichtige Folge der depressiven Symptome ist, dass mit dem Auftreten von depressiven Symptomen sich der selbstwahrgenommene Gesundheitszustand verschlechtert: 63% der betagten älteren Personen mit depressiven Symptomen klagen über schlechten Gesundheitszustand und haben mehr Angststörungen. Diese sind in ihren Alltagsaktivitäten mehr eingeschränkt als Personen ohne depressive Symptome.

Die am häufigsten konsultierten Fachleute in der Schweiz sind Psychiater (43%) gefolgt von Allgemeinpraktikern (41%). Da Hausärzte fast genauso viel Depression diagnostizieren und behandeln wie die Psychiater ist deren Fortbildung in Altersdepression von besonderer Bedeutung. Alters- und Pflegeheime haben nicht immer eine feste alterspsychiatrische Betreuung, auch wenn in letzten Jahren vor allem in den Ballungsgebieten die konsiliarischen Dienste ausgebaut worden sind. Der Bedarf an auf affektive Erkrankungen fokussierte ambulante Dienste und teilstationäre Angebote ist nach wie vor gross.

Eine schwerwiegende Folge der Altersdepression ist die Suizidalität. Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern steigt auch in der Schweiz das Suizidrisiko im Alter steil an, vor allem bei Männern. Multimorbidität und soziale Isolierung tragen wesentlich zu diesem Anstieg bei. Befragung der Suizidgedanken gehört deswegen unbedingt zur Depressions-Diagnostik. 

Psychotherapie steht in der Behandlung der Altersdepression an erster Stelle. Diese wird auch von betroffenen Personen bevorzugt. Bei der medikamentösen Behandlung steht der Einsatz von Antidepressiva ohne anticholinerge Nebenwirkungen im Vordergrund. Aktivierungstherapien, Lichttherapie und Wachtherapie werden in vielen Schweizer Kliniken angeboten. Elektrokrampftherapie wird in der Schweiz nur an einigen zentralen Kliniken mit strenger Indikationsstellung bei älteren Patienten durchgeführt.

Fachliche Unterstützung: Dr. Isabella Justiniano (Autor), Monthey (SGPP)