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Depression im Alter - Suizidgefährung

Die Erkennung einer Altersdepression erfordert eine umfassende diagnostische Abklärung beim Gerontopsychiater. Eine Aufnahme der Krankengeschichte (Anamnese) mit Blick auf das individuelle Umfeld und die Lebenssituation des Patienten bildet die Grundlage für den psychopathologischen Befund. Mit Hilfe verschiedener Fragestellungen sowie aufgrund der äußeren Erscheinung, des Verhaltens und des  Ausdrucksvermögens macht sich der Gerontopsychiater ein erstes Bild vom seelischen Zustand des  Patienten.

Bei der Anamnese erfragt der Arzt auch Medikamente, die der Betroffene wegen anderer Erkrankungen einnimmt. Diese beurteilt er nach ihren möglicherweise depressionsfördernden Nebenwirkungen. Zu den stimmungsbeeinflussenden Wirkstoffen bzw. Wirkstoffgruppen gehören bestimmte Antibiotika, Kortison, Benzodiazepine, Opiate und Opioide, Zytostatika, ACE-Hemmer oder Betablocker, Virustatika.

Nach der Anamnese kann der Arzt meist schon einschätzen, ob es sich um ein vorübergehendes  Stimmungstief oder um eine behandlungsdürftige Altersdepression handelt. Bei einem Stimmungstief kann der Betroffene in der Regel den konkreten Grund (z.B. Trauer um einen nahestehenden Menschen) benennen, was bei einer Depression nicht möglich ist. Wobei der Arzt die Dauer des Stimmungstiefs hinterfragen wird, denn bei entsprechender Veranlagung (Disposition) kann ein Negativereignis eine Depression auslösen.

Voraussetzung für die Diagnose „Depression im Alter“  ist das Auftreten charakteristischer Symptome wie Antriebs- und Freudlosigkeit über mindestens zwei Wochen. Der Grad der Erkrankung wird wie folgt klassifiziert:

  • leicht: Es werden mindestens zwei Hauptsymptome und  zwei körperliche/allgemeine Beschwerden festgestellt
  • mittelschwer: Es werden mindestens zwei Hauptsymptome und drei allgemeine Symptome diagnostiziert
  • schwer: Es bestehen drei Hauptsymptome und vier allgemeine Symptome


Um eine eindeutige Diagnose stellen zu können, werden weiter eine körperliche Untersuchung und eine Reihe von Blutuntersuchungen durchgeführt. So sollen Erkrankungen von Herz, Leber, Nieren, Stoffwechsel und der hormonproduzierenden Drüsen (z.B. Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, Nebennieren)  ausgeschlossen werden. 

Außerdem muss eine Altersdepression von einer Demenzerkrankung wie Morbus Alzheimer abgegrenzt werden. Hierfür stehen neuropsychologische Testverfahren bzw. spezielle Fragebögen zur Verfügung, die u.a. berücksichtigen, dass ein depressiver Patient anders als der demente Patient fehlerfrei Objekte und Personen wiedererkennen und sich besser orientieren kann. Aufgrund von Konzentrationsschwierigkeiten, Sprech- und Denkhemmungen weisen depressive Patienten Ähnlichkeiten mit Demenz-Patienten auf. Doch Gerontopsychiater können anhand der Testergebnisse eine depressive Pseudodemenz von einer echten Demenz unterscheiden.

Ein Computer- oder Magnetresonanztomogramm des Schädels, ein EEG vervollständigen gegebenenfalls die Diagnose.
 

Fachliche Unterstützung: Dr. Lutz M. Drach, PD Dr. Martin Haupt (DGGPP)