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Posttraumatische Belastungsstörung bei Flüchtlingskindern verhindern oder mildern – was hilft?

© Christian Schwier_Fotolia.com

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Viele Kinder und Jugendliche, die aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, haben als Opfer oder Augenzeugen sehr belastende Ereignisse im Krieg und auf der Flucht erlebt und wurden dadurch traumatisiert. Was ihnen helfen kann...

Unter den Flüchtlingen aus der Ukraine befinden sich auch viele Kinder und Jugendliche, die als Opfer oder Augenzeugen sehr belastende Ereignisse im Krieg und auf der Flucht erlebt haben und dadurch traumatisiert wurden. Wenn solche Traumata mit Gefühlen der Angst, Schutz- und Hilflosigkeit bzw. des Ausgeliefertseins einhergehen und Betroffene einen Mangel an Bewältigungsmöglichkeiten und Kontrollverlust empfinden, kann möglicherweise eine dauerhafte Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses mit Störung des Vertrauens in andere Menschen auftreten und eine psychische Störung auslösen. Diese wird auch posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder posttraumatisches Stresssyndrom (engl.: post traumatic stress disorder = PTSD) genannt. „Damit sich eine PTBS erst gar nicht herausbildet, wäre es wichtig, dass die Betroffenen von Angehörigen bzw. betreuenden Personen aufgefangen werden, damit sie wieder Vertrauen in andere Menschen fassen können – z. B. indem man ihnen aufmerksam zuhört, ihre Gefühle ernst nimmt und ihnen Sicherheit, soziale Unterstützung und Orientierung vermittelt“, erklärt Dr. med. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP). Erhalten traumatisierte Flüchtlingskinder möglichst frühzeitig psychosoziale Unterstützung mit Anregungen zur Tagesstrukturierung, psychischen Stabilisierung und Ressourcenaktivierung – z.B. bei Gruppenaktivitäten wie Sport, Lernen, Singen oder Spielen - bestehen gute Chancen, dass sie ihre traumatischen Erlebnisse konstruktiv verarbeiten, überwinden und dann als Teil ihrer Biografie akzeptieren können. Erste Anlaufstellen bieten z. B. das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen  oder Terres des Hommes.

Wiedererleben, Vermeidung und Übererregung sind typische Kennzeichen einer PTBS

Mangelnde soziale Unterstützung, jugendliches Lebensalter sowie Traumata in der Familie können das Risiko für die Entwicklung einer PTBS erhöhen. „Typisch für die PTBS sind Symptome des Wiedererlebens, die sich den Betroffenen tagsüber in Form von Erinnerungen an das Trauma, Tagträumen oder Flashbacks, sowie nachts in Form von Angstträumen aufdrängen“, erläutert Dr. med. Ingo Spitczok von Brisinski. Gleichzeitig werden Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten, aktiv vermieden. Daher treten meist parallel zu den Symptomen des Wiedererlebens Vermeidungssymptome auf wie emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit der Umgebung und anderen Menschen gegenüber. Häufig kommt ein Zustand vegetativer Übererregtheit hinzu, der sich in Form von Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, ausgeprägter Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen manifestieren kann. Bestehen diese Symptome mehr als drei Monate, kommt es in etwa 30 % der Fälle zu einem chronischen Verlauf.

Wirksame Therapiekonzepte stehen zur Behandlung einer PTBS zur Verfügung

Für die Überwindung einer PTBS ist eine umfassende Behandlung durch einen Kinder- und Jugendpsychiater oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit traumatherapeutischer Zusatzqualifikation unerlässlich. In aller Regel kann die Behandlung ambulant erfolgen. Wenn der Patient zusätzlich zur PTBS unter schweren depressiven Symptomen leidet, eine akute psychotische Störung oder akute Suizidgefahr vorliegt, kann auch ein Klinikaufenthalt erforderlich werden. Die Behandlung besteht je nach aktueller Lebenssituation aus allgemein unterstützenden Maßnahmen, Behandlung zusätzlicher psychischer Erkrankungen und einer traumafokussierten Psychotherapie, falls erforderlich mit medikamentöser Unterstützung. „Ziel ist es, den Betroffenen dabei zu helfen, Kontrolle über ungewollt auftretende Erinnerungen zu erlangen und Begleitsymptome wie Angst, Depressivität, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme abzubauen, sowie die Betroffenen dabei zu unterstützen, das Trauma als Teil ihrer Lebensgeschichte zu integrieren, neuen Sinn im Leben zu finden und ihr psychosoziales Funktionsniveau zu verbessern“, fasst Dr. med. Ingo Spitczok von Brisinski zusammen. Dazu stehen verschiedene wirksame Therapiekonzepte und -methoden (wie beispielsweise Prolonged Exposure Therapy oder Eye Movement Desentitization and Reprocessing = EMDR) zur Verfügung.

Unbehandelt kann eine PTBS auch mit einer Suchterkrankung und weiteren Problemen  einhergehen

Mit einer adäquaten Behandlung dauert eine posttraumatische Belastungsstörung durchschnittlich 36 Monate, ohne Therapie hingegen durchschnittlich 64 Monate. Mit einer unbehandelten PTBS können oft auch Depressionen, Suchterkrankungen oder Angststörungen einhergehen. Betroffene haben als Erwachsene oft Probleme mit der Partnerschaft, in Freundschaften und im Beruf und ihre Lebensqualität ist stark eingeschränkt.

(äin-red) Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderpsychiater-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patientenportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

 

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