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16.07.2020

Videosprechstunde: Neurologen, Nervenärzte und Psychiater erweitern Patientenbehandlung weichenstellend

Um die Versorgung von Patienten in einer Zeit mit gewachsenen Anforderungen an Infektionsschutz sicherzustellen, haben die neurologisch und psychiatrisch-psychotherapeutisch tätigen ärztlichen Berufsverbände ergänzend Videosprechstunden eingerichtet.

Mit dem Eintreten der Corona-Krise hat sich der Alltag in vielen Arztpraxen teilweise drastisch verändert. Um die Versorgung von Patienten in einer Zeit mit gewachsenen Anforderungen an Hygiene und Infektionsschutz sicherzustellen, haben die neurologisch und psychiatrisch-psychotherapeutisch tätigen ärztlichen Berufsverbände frühzeitig gemeinsame Maßnahmen beschritten, um weiterhin eine kompetente Behandlung zu gewährleisten. Die Einrichtung von Videosprechstunden hat sich dabei als wichtige Ergänzungen in der Versorgung erwiesen. „Die Videosprechstunde ermöglicht uns, das ärztliche Gespräch mit Patienten aufrecht zu erhalten, ohne Ansteckungsrisiken auf beiden Seiten. Viele unserer Patienten haben mit erheblichen Einschränkungen zu kämpfen und brauchen teilweise eine intensive Zuwendung. Bei bekannten Patienten ist die digitale Sprechstunde daher ausgesprochen hilfreich, um ihnen bei akuten Problemen über diesen kurzen Weg helfen können, ohne dass sie dafür in die Praxis kommen müssen“, betont Dr. Uwe Meier, Vorsitzender vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN). Für Patienten, die mit der digitalen Technik in keiner Weise vertraut sind oder die technischen Möglichkeiten nicht haben, stellt eine Videosprechstunde allerdings keine Alternative dar. „Für den Großteil der älteren Menschen sowie chronisch Schwerkranke – und damit sehr viele Patienten in unseren Praxen – ist die Hürde der Videosprechstunde zu hoch“, ergänzt der niedergelassene Arzt. „In dieser Situation können Patienten natürlich auch ergänzend telefonisch Kontakt mit ihren behandelnden Ärzten aufnehmen.“

Als Folge der Corona-Pandemie bieten deutlich mehr Ärzte Videosprechstunden an

Mehr als die Hälfte aller Ärzte bietet inzwischen eine Videosprechstunde an. Psychiater und Psychotherapeuten sind darunter die größte Nutzergruppe*. „Es ist für unsere Arbeit mit den Patienten schon erstmal ein Unterschied, dass ein Teil der Versorgung aus Gründen des Infektionsschutzes nun häufiger per Videotelefonie stattfindet“, meint Dr. Sabine Köhler, vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). „Die digitale Sprechstunde hat sich aber als sehr gute Ergänzung erwiesen, um mit unseren Patienten in Kontakt zu bleiben, damit sie ihre Therapie während der Krise weiter fortsetzen können.“ Für manche psychiatrischen Patienten, die sich nicht leicht damit tun, in Praxen, Kliniken oder Ambulanzen zu kommen, kann das Angebot einer Videosprechstunden geradezu eine Erleichterung sein. „In der Psychotherapie geht es ja insbesondere darum, den Betroffenen zu ermöglichen, über ihre Ängste und Probleme reden zu können“, erklärt Dr. Christa Roth-Sackenheim vom Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP). „Das kann auch in einer Videosprechstunde gut gelingen, wenn keine Berührungsängste mit dem Medium bestehen oder diese abgebaut werden können.“ Im Setting einer Videosprechstunde ist durchaus eine vertrauensvolle Atmosphäre möglich, die viele Patienten als Alternative annehmen.

Selbstfürsorge und Hilfsangebote während Corona-Krise hilfreich

Gerade während der Pandemie ist ein Teil der Menschen mit psychischen Erkrankungen besonders gefährdet, weil sie überdurchschnittlich stark unter Kontaktbeschränkungen oder eingeschränkten Behandlungs- und Hilfsangeboten leiden. Generell begünstigen Quarantäne und Isolation psychische Erkrankungen, denn soziale Vereinsamung ist ein zentraler Stressfaktor. Menschen sollten daher gerade in Krisensituationen und bei Stresserleben besonders darauf achten, möglichst gut für sich selbst zu sorgen. Tipps und Anregungen für mehr Selbstvorsorge sowie weiterführende Informationen finden sich auf der neuen Landingpage des Spitzenverbandes ZNS, dem Zusammenschluss der fachärztlichen Berufsverbände auf dem Gebiet der ZNS-Versorgung: https://seelen-hirn-gesundheit-zns.de/  

Quellen:
*Studie des Health Innovation Hubs des Bundesgesundheitsministeriums und der Stiftung Gesundheit

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