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05.08.2012

Strom hilft bei schwerbehandelbarem Clusterkopfschmerz und schwerer Migräne

Etwa jeder Zehnte in Deutschland leidet regelmäßig unter Migräne-Attacken oder Clusterkopfschmerz, bei dem Betroffene mehrfach täglich unter schwersten, einseitigen, um das Auge lokalisierten Schmerzattacken leiden.

Etwa jeder Zehnte in Deutschland leidet regelmäßig unter Migräne-Attacken oder Clusterkopfschmerz , bei dem Betroffene mehrfach täglich unter schwersten, einseitigen, um das Auge lokalisierten Schmerzattacken leiden. In einigen Fällen schlagen Medikamente nicht an. Für diese Patienten kommt eine neue Therapie in Betracht, bei der Ärzte zwei Elektroden im Nackenbereich einpflanzen. Die elektrischen Reize wirken auf den Hinterhauptsnerv (Okzipitalnerv) und mindern so die Schmerzen bei mehr als 70 Prozent der Patienten mit chronischem Clusterkopfschmerz, wie eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt. Bei Migräne-Attacken spüren 40 Prozent der Patienten eine deutliche Besserung.Ob das Verfahren wirkt, prüfen die Patienten mit einem Gerät in Größe einer Scheckkarte, mit dem sie die Elektroden an- und ausschalten. „Es kann vier bis sechs Wochen dauern, bis der Therapieeffekt einsetzt“, erläutert Professor Dr. med. Andreas Straube, Kopfschmerzspezialist am Universitätsklinikum Großhadern in München. Schlägt die Methode an, pflanzen Spezialisten einen solchen Generator dauerhaft im Fettgewebe oberhalb des Schlüsselbeines oder alternativ unterhalb des Rippenbogens oder in der Gesäßregion ein. Klinische Neurophysiologen erproben die ONS seit fünf Jahren. Eine aktuell erschienene Übersichtsarbeit fasst die Ergebnisse von 58 Menschen mit Clusterkopfschmerz und mehr als 200 Migräne-Patienten zusammen und belegt die Wirksamkeit: Bei etwa 72 Prozent der Betroffenen mit Clusterkopfschmerz lässt die Schmerzhäufigkeit und -intensität um mehr als 50 Prozent nach. „Auch noch nach fünf Jahren war ein Großteil der Betroffenen schmerzfrei“, so der DGKN-Experte Straube. Bei Migräne-Patienten hingegen stünden Langzeitstudien noch aus. Die bisher beobachteten Erfolgsraten seien weniger stabil als bei Clusterkopfschmerz-Patienten. Wie genau die ONS wirkt ist unklar. „Wahrscheinlich unterbinden die elektrischen Reize die Weiterleitung der Schmerzsignale im Hirnstamm“, vermutet Straube. Das ONS-Verfahren sei dennoch sicher, reversibel und die Risiken überschaubar. „Schlägt die Stimulation nicht an, werden die Elektroden wieder entfernt. Bis auf den Hautschnitt bleiben keine körperlichen Veränderungen zurück.“Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) empfiehlt insbesondere chronischen Clusterkopfschmerz-Patienten mit hohem Leidensdruck und bisher erfolgloser medikamentöser Prophylaxe, die Okzipitale Nervenstimulation (ONS) in einer spezialisierten Fachklinik zu erwägen. Für die ONS kommen Patienten in Frage, die trotz Medikamente gleichbleibend unter chronischem Clusterkopfschmerz oder einer chronischen Migräne leiden. Diesen Patienten setzen Ärzte bis zu zwei kleine Elektroden direkt unter der Haut am Nacken ein. Der Eingriff kann unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung erfolgen.Literatur: Delphine Magis, Rigmor Jensen, and Jean Schoenen: “Neurostimulation therapies for primary headache disorders: present and future” Current Opinion in Neurology: June 2012 - Volume 25 - Issue 3Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw)