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09.02.2011

Missempfindungen und Sehstörungen können Symptome einer Multiplen Sklerose sein

Häufige Frühsymptome der MS sind Sehstörungen, leichte Lähmungen und eine Beeinträchtigung der Feinmotorik, Gefühlsstörungen, Koordinationsstörungen oder auch Gangunsicherheit.

Abhängig davon, welche Hirnregionen von der Schädigung der Nervenfasern bei einer einsetzenden Multiple Sklerose (MS) betroffen sind, können sehr unterschiedliche erste Anzeichen auftreten. „Häufige Frühsymptome der MS sind Sehstörungen, leichte Lähmungen und eine Beeinträchtigung der Feinmotorik, Gefühlsstörungen, Koordinationsstörungen oder auch Gangunsicherheit“, erklärt Dr. Frank Bergmann, der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN) in Krefeld. „Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es häufig zu deutlicheren Bewegungsstörungen mit Spastik, zu urologischen Störungen oder Sprechstörungen.“ Weitere Beschwerden, die von Betroffenen beschrieben werden, sind eine allgemeine Mattigkeit, rasche Ermüdbarkeit und auch Konzentrationsstörungen. Die ersten MS-Symptome treten meist im Alter von 20 bis 40 Jahren auf.

Besonders im Anfangsstadium können die Symptome jedoch auch auf andere Krankheiten hinweisen und müssen nicht Ausdruck einer Multiplen Sklerose sein. Die Diagnose „MS“ ist eine Ausschlussdiagnose, d.h. es müssen zunächst zahlreiche andere Erkrankungen, die als Ursache für die genannten Symptome in Frage kommen, ausgeschlossen werden. „Bei entsprechenden Beschwerden und sollte in jedem Fall eine diagnostische Abklärung bei einem niedergelassenen Facharzt für Neurologie oder Nervenheilkunde erfolgen“, rät Dr. Bergmann.

Die Multiple Sklerose kann sehr unterschiedlich verlaufen. Bei einer milden Ausprägung ist sie im Alltag kaum spürbar, bei einer schwereren Verlaufsform ist die körperliche und psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigt. „Eine MS beginnt bei über 90% der Patienten mit Schüben, die völlig unregelmäßig auftreten. Bei den anderen 5-10% der Betroffenen lässt sich von Anfang an ein fortschreitender Krankheitsverlauf ohne zwischenzeitliche Besserung beobachten. Ohne Behandlung entwickeln 40% der Patienten mit ursprünglich schubweisem Verlauf nach etwa 10 Jahren ebenfalls eine kontinuierliche Zunahme der Symptome. Eine Heilung der Multiplen Sklerose ist zur Zeit nicht möglich, aber eine frühzeitig begonnene Therapie kann die Symptome lindern, den Verlauf verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern“, erläutert der Aachener Nervenarzt.

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung des zentralen Nervensystems - d.h. das gesamte Gehirn und Rückenmark können betroffen sein. Dabei werden Teile der Nervenfasern zerstört, die maßgeblich an der Weiterleitung von Impulsen beteiligt sind, aber auch Nervenfasern und -zellen selbst. Dadurch kommt es unter anderem zu Lähmungserscheinungen, es können Muskeln nicht mehr richtig koordiniert oder Sinnessignale nicht korrekt weitergegeben werden.

Weltweit leiden mehr als 1 Million Menschen an Multipler Sklerose, in Deutschland etwa 120.000 - 150.000. Frauen erkranken häufiger als Männer.

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