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22.07.2013

Frühzeitige Schmerzbehandlung bei diabetischer Polyneuropathie wichtig

Wiederholen sich starke Schmerzsignale über einen längeren Zeitraum, können sich die Nervenfasern dauerhaft verändern und es können sich chronische Schmerzen einstellen. Eine frühzeitige Behandlung ist daher sehr wichtig.

Zuckerkranke erleiden nicht selten im Krankheitsverlauf eine Nervenschädigung (Polyneuropathie ), die auf der einen Seite Beschwerden wie Kribbeln, Missempfindungen und Schmerzen hervorruft und auf der anderen Seite zum Gefühls- und Schmerzverlust der Betroffenen Extremitäten führt. Zur Behandlung der Polyneuropathie sind keine therapeutischen Maßnahmen verfügbar, die heilend wirken. Doch können Medikamente und Verfahren zur Linderung der Schmerzen, eingesetzt werden. „Eine frühzeitige effektive Schmerzbehandlung ist bei der Polyneuropathie wichtig, um die Ausbildung eines so genannten „Schmerzgedächtnisses“ bei Betroffenen zu vermeiden. Wiederholen sich starke Schmerzsignale über einen längeren Zeitraum, können sich die Nervenfasern dauerhaft verändern und es können sich chronische Schmerzen einstellen“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen, der seinen Sitz in Krefeld hat. „In der Folge können selbst leichte Reize, wie Berührung, Wärme oder Dehnung, plötzlich als Schmerz empfunden werden oder es kann ohne vorhandenen Reiz ein Schmerz ausgelöst werden, was es zu vermeiden gilt.“ Neben einer frühzeitigen Behandlung ist es auch wichtig, regelmäßig Screening-Untersuchungen zum Erkrankungsverlauf wahrzunehmen. Hierdurch kann eine Verschlimmerung der Polyneuropathie früh erkannt werden und es können Komplikationen verhindert werden.

Neben der Polyneuropathie leiden viele Diabetiker an einer mangelhaften Durchblutung der Extremitäten. Vor allem die Füße sind anfällig für Geschwüre und Infektionen, und es kann schon bei kleineren Verletzungen Komplikationen geben, weil die Wundheilung gestört ist. „Wegen der durch die Polyneuropathie bedingten Nervenschäden spüren viele Patienten keine Schmerzen oder sie treten erst sehr spät auf, wenn Geschwüre oder Infektionen schon weit fortgeschritten sind. Um Schäden rechtzeitig zu erkennen, müssen Betroffene ihre Füße daher regelmäßig und sorgfältig untersuchen oder untersuchen lassen“, rät Dr. Beil, der in Köln niedergelassen ist. „Betroffene sollten sich ausführlich über mögliche Komplikationen des „diabetischen Fußes“ informieren.“

Vorteilhaft sind sportliche Betätigungen, wobei Betroffene bei der Wahl ihrer Aktivität krankheitsbedingte Einschränkungen berücksichtigen sollten. Bei Ausdauersportarten beispielsweise ist Schwimmen für sie besser als Jogging oder Walking, weil dabei die Füße nur wenig belastet werden.

Eine diabetische Polyneuropathie erleiden 8 bis 54 Prozent der Diabetiker. Dabei kommt es zu krankhaften Veränderungen an kleinsten Gefäßen, die die Nervenfasern außerhalb von Gehirn und Rückenmark mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Zudem kann der erhöhte Blutzuckerspiegel dazu führen, dass die Gefäße verkleben. In beiden Fällen kommt es zu einer Unterversorgung von Nervenzellen, die dann Schädigungen erleiden können.

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