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20.08.2012

Diabetische Polyneuropathie: Füße täglich untersuchen

Zuckerkranke mit einer Polyneuropathie, einer häufig durch den Diabetes ausgelösten Nervenschädigung in Armen und Beinen, sollten ihre Füße am besten jeden Tag inspizieren, um mögliche Verletzungen frühzeitig zu bemerken.

Zuckerkranke mit einer Polyneuropathie , einer häufig durch den Diabetes ausgelösten Nervenschädigung in Armen und Beinen, sollten ihre Füße am besten jeden Tag inspizieren, um mögliche Verletzungen frühzeitig zu bemerken. „Um die Sohlen und die Zehenzwischenräume zu kontrollieren, können Betroffene einen Handspiegel zu Hilfe nehmen. Wenn sie schlecht an Ihre Füße herankommen, sollten sie jemanden aus der Familie um Hilfe bei der täglichen Fußschau bitten“, rät Dr. Frank Bergmann, vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Bereits kleinste Verletzungen wie eine aufgescheuerte Blase, können für Zuckerkranke schlimme Folgen haben, weil Wunden schlecht heilen. Wegen der durch die Polyneuropathie bedingten Nervenschäden spüren viele Patienten keine Schmerzen oder sie treten erst sehr spät auf, wenn Geschwüre oder Infektionen schon weit fortgeschritten sind.“ Neben der Polyneuropathie leiden viele Diabetiker an einer mangelhaften Durchblutung der Extremitäten. Vor allem die Füße sind anfällig für Geschwüre und Infektionen, und es kann schon bei kleineren Verletzungen Komplikationen geben, weil die Wundheilung gestört ist.Wenn bei Diabetikern bereits eine Nervenschädigung nachgewiesen wurde, sollten ihre Füße bei jedem Arztbesuch in der Praxis angesehen werden, mindestens jedoch routinemäßig einmal im Jahr. Auch sollten sie ihr Schuhwerk sorgfältig auswählen, ihre Füße täglich pflegen und für das Schneiden der Nägel professionelle Hilfe durch speziell ausgebildete medizinische Fußpfleger in Anspruch nehmen. „Falls sie an den Füßen gar nichts mehr spüren, sollten sie spezielle Schuhe anziehen, die eine weiche Innensohle haben und ohne Nähte gefertigt sind“, ergänzt der niedergelassene Nervenarzt. „Betroffene sollten sich nicht schämen, auch mit kleinen Wunden zum Arzt zu gehen. Keinesfalls sollten sie abwarten, bis die Sache von allein heilt, denn viele Amputationen sind die Folge einer verschleppten Behandlung.“ Weil sich körperliche Aktivität günstig auf die diabetische Grunderkrankung auswirkt und die Durchblutung fördert, ist sportliche Betätigung grundsätzlich empfohlen. Bei der Wahl ihrer Aktivität sollten jedoch krankheitsbedingte Einschränkungen berücksichtigt werden. An einer Polyneuropathie leiden vor allem ältere Menschen. Rund 3 Prozent der über 60-Jährigen sind nach Schätzungen von der Erkrankung betroffen. Die ersten sensorischen Beschwerden sind häufig Missempfindungen wie Kribbeln und Brennen an Füßen und Händen. Später werden Berührung und Schmerz nur noch vermindert oder gar nicht mehr wahrgenommen, das Wärme-Kälte-Empfinden ist gestört und es können Lähmungen auftreten. „Das Eintreten einer motorischen Neuropathie führt aufgrund der Nervenschädigung zu einer Deformierung der kleinen Fußmuskeln, die eine Verformung des gesamten Fußes nach sich ziehen kann. Dadurch kann es zu einer  pathologischen Druckbelastung und zu Wunden kommen“, ergänzt Dr. Bergmann. 20 Prozent aller an Diabetes mellitus Erkrankten entwickeln früher oder später ein diabetisches Fußsyndrom. Bei einer unzureichenden Behandlung treten Folgeschäden auf, die bis zur Amputation des gesamten Beines führen können. Jährlich werden in Deutschland vierzigtausend Amputationen bei Diabetikern durchgeführt.

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