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12.01.2011

Diabetes: Bei Missempfindungen an Extremitäten zeitnah den Arzt aufsuchen

Bemerken Diabetiker ein Kribbeln an den Füssen, den Unterschenkeln oder den Händen, sollten sie davon unverzüglich ihren Arzt unterrichten, da es sich um erste Anzeichen einer Polyneuropathie handeln kann.

Bemerken Diabetiker ein Kribbeln an den Füssen, den Unterschenkeln oder den Händen, sollten sie davon unverzüglich ihren Arzt unterrichten, da es sich um erste Anzeichen einer Polyneuropathie handeln kann. „Die wichtigsten spürbaren Frühsymptome der Nervenschädigungen sind ein Pelzigkeitsgefühl, Taubheitsgefühle und Schmerzen an den Füssen, die während der Nachtruhe auftreten. Manche Patienten empfinden derartige Beschwerden auch als ein «Ameisenlaufen» unter der Haut. Dabei beginnen die Symptome meist schleichend und verstärken sich allmählich“, meint Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) in Krefeld. „Bemerken Betroffene solche Warnsignale an sich, sollten sie sich baldmöglichst von einem Neurologen auf eine diabetische Polyneuropathie hin untersuchen lassen. Frühzeitig erkannt, kann diese Krankheit gut behandelt und das Fortschreiten verzögert werden.“ Bei 20 bis 30 Prozent aller Diabetes-Patienten entwickelt sich früher oder später eine diabetische Neuropathie. Ohne angemessene Therapie schreiten die Schädigungen der Nerven schneller voran und es können schwere Komplikationen bis hin zum diabetischen Fuß auftreten.

Bislang ist noch nicht bis ins letzte Detail geklärt, wie die diabetische Nervenerkrankung entsteht. Fest steht, dass über längere Zeit erhöhte Blutzuckerwerte für deren Entwicklung verantwortlich sind. Der hohe Blutzucker scheint dabei über mehrere Wege Schädigungen an den Nerven zu verursachen. Die beeinträchtigten Nerven verändern oder verringern daraufhin mehr oder weniger ihre Funktion. „Sie melden Reize an das Gehirn, die gar nicht vorhanden sind, oder sie leiten tatsächlich vorhandene Reize nicht mehr weiter. Dadurch kann es beispielsweise zu Missempfindungsgefühlen und Schmerzen oder zu Unempfindlichkeit gegenüber Wärmereizen oder Verletzungen kommen“, erläutert der Experte. Sind die Symptome bereits in Taubheitsgefühle übergegangen, ist es enorm wichtig, dass Betroffene ihren Füssen besondere Beachtung und Pflege zukommen lassen und beispielsweise eine professionelle medizinische Fußpflege wahrnehmen. Verletzungen und Deformierungen, die möglicherweise sonst unbemerkt bleiben, können sich infizieren und zu problematischen Geschwüren führen. Man spricht dann von einem diabetischen Fuß.

Diabetiker können der Entwicklung einer Polyneuropathie auch vorbeugen. Die beste prophylaktische Maßnahme stellt eine optimale Blutzuckereinstellung dar. „Je weiter der Blutzuckerwert von der angestrebten Stoffwechseleinstellung abweicht, umso wahrscheinlicher ist es, dass sich mit der Zeit eine diabetische Polyneuropathie entwickelt. Durch Blutzuckerkontrollen sollte die Therapie daher regelmäßig überprüft werden“, ergänzt der niedergelassene Neurologe aus Köln. Eine gesunde Ernährung hilft neben der medikamentösen Behandlung den Blutzucker und auch die Blutfettwerte auf einem normalen Niveau zu halten. Daneben wirkt sich auch Sport positiv auf den Diabetes aus. Betroffene sollten dabei jedoch krankheitsbedingte Einschränkungen berücksichtigen und bei fortgeschrittener Polyneuropathie Sportarten wählen, welche die Füße möglichst wenig belasten.An einer Polyneuropathie leiden vor allem ältere Menschen. Rund 3 Prozent der über 60-Jährigen sind nach Schätzungen von der Erkrankung betroffen. Die häufigsten Ursachen sind Diabetes und chronischer Alkoholmissbrauch.

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