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15.09.2017

Crystal Meth-Konsum erhöht Schlaganfall-Risiko in jungen Jahren

Die Wirkung von Amphetamin oder Methamphetamin besteht unter anderem in einer physiologischen Erregung, die mit einem plötzlichen Blutdruckanstieg und einer erhöhten Pulsfrequenz bis hin zu Herzrasen einhergeht. Chronischer Konsum kann längerfristigen Bluthochdruck mit sich bringen, der einen zentralen Risiko-Faktor für Schlaganfälle darstellt

Der regelmäßige Konsum von Methamphetamin («Crystal Meth») geht bekanntermaßen mit zahlreichen Risiken für die körperliche und psychische Gesundheit einher. Nun zeigt eine australische Übersichtsstudie, die im «Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry» (2017; doi: 10.1136/jnnp-2017-316071) veröffentlicht ist, dass Methamphetamingebrauch offenbar auch eine Ursache für Schlaganfälle im jungen Lebensalter ist. „Die Wirkung von Amphetamin oder Methamphetamin besteht unter anderem in einer physiologischen Erregung, die mit einem plötzlichen Blutdruckanstieg und einer erhöhten Pulsfrequenz bis hin zu Herzrasen einhergeht. Chronischer Konsum kann längerfristigen Bluthochdruck mit sich bringen, der einen zentralen Risiko-Faktor für Schlaganfälle darstellt“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BVN) mit Verbandssitz in Krefeld. „Dabei wurden bei Schlaganfällen, die mit Methamphetamingebrauch bei jungen Menschen im Zusammenhang stehen, überwiegend sogenannte hämorrhagische Infarkte beobachtet. Solche Hirnblutungen entstehen, wenn der Blutdruck in den Arterien zu groß ist und die Wände von Blutgefäßen aufreißen. Dann kann es zu einer Durchblutungsstörung des Gehirns und zur Zerstörung von Nervengewebe kommen.“ Als weitere Nebenwirkungen von Methamphetamin, die sich negativ auf die Funktion der Blutgefäße auswirken können, sind darüber hinaus auch entzündliche Erkrankungen (Vaskulitis) oder krampfartige Verengungen der Blutgefäße (Vasospasmus) bekannt. Methamphetamin und Amphetamine können zudem auch eine direkte toxische Schädigung der Gefäßwände verursachen. 

In der Übersichtsarbeit wurden 77 Publikationen mit 98 Patienten ausgewertet, die nach dem Konsum von «Crystal Meth» einen Schlaganfall erlitten hatten. In 81 Fällen war eine Hirnblutung die Ursache und nur bei 17 Patienten die sonst häufigere Variante, ein ischämischer Infarkt, bei dem es zum Verschluss von einem oder mehreren Blutgefäßen kommt. In der Studie konnte man allerdings nicht ausschließen, dass die hämorrhagischen Schlaganfälle häufiger berichtet wurden, weil deren Verlauf besonders dramatisch ist und bei den «Crystal Meth-Konsumenten» in jedem dritten Fall auch tödlich endeten.

Anzeichen erkennen: Bei Schlaganfall zählt jede Minute

Schlaganfälle bei Personen unter 45 Jahren kommen weitaus seltener vor, als bei Menschen in einem höheren Lebensalter. Dennoch sollten auch Menschen dieser Altersklasse die typischen Warnzeichen kennen, damit frühzeitig eine Therapie eingeleitet werden kann. „Eine plötzlich einsetzende einseitige Schwäche in Extremitäten, ein herabhängender Mundwinkel, plötzliche Sprachstörungen, ein akuter Sehverlust auf einem Auge oder das Sehen von Doppelbildern sind allesamt typische Warnsignale, die auf einen Schlaganfall hindeuten“, betont Dr. Beil. „Auch wenn die Symptome nur kurz anhalten, sollte sofort der Notruf verständigt werden. Die ersten Stunden nach einem Schlaganfall entscheiden über das Ausmaß der Zellschäden im Gehirn und damit auch über den Grad einer möglicherweise zurückbleibenden Behinderung.“ Bestimmte Akut-Therapien können nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters nach einem Schlaganfall eingesetzt werden. Ein zeitlicher Verlust kann somit später zu einem Verlust von Lebensqualität führen. Keinesfalls sollten Betroffene abwarten und sich erst in den nächsten Tagen an einen Arzt wenden.

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Er ist sogar die häufigste Ursache für Behinderung. Nicht nur die gesundheitlichen Folgen sind gravierend, auch die Kosten für die Volkswirtschaft sind enorm.

Übersichtsarbeit: Lappin JM et al. Stroke and methamphetamine use in young adults: a review. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2017, (2017; doi: 10.1136/jnnp-2017-316071)

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