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22.10.2018

Bei Cluster-Kopfschmerzen ist Tagebuch führen hilfreich

Cluster-Kopfschmerzen führen bei den Betroffenen zu einem besonders großen Leidensdruck. Sie werden häufig durch bestimmte Faktoren wie bestimmte Lebensmittel oder Umweltreize ausgelöst oder verstärkt. Mit Hilfe eines Tagebuches können Patienten diese Faktoren identifizieren und sie wenn möglich meiden.

Der Cluster-Kopfschmerz ist eine schwere Form des Kopfschmerzes, der anfallsartig und streng einseitig im Bereich der Augen, der Stirn oder der Schläfen auftritt. Die Patienten berichten von einem intensiven brennenden oder bohrenden Schmerz. Die Schmerzattacken können zwischen 15 Minuten und 3 Stunden andauern, die Häufigkeit liegt zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag bis hin zu 8 Attacken täglich. Charakteristisch für den Cluster-Kopfschmerz ist ein gehäuftes, periodisch wiederkehrendes Auftreten des Schmerzes, was als Cluster bezeichnet wird. Daran schließt sich eine beschwerdefreie Zeit an, die zwischen mehreren Tagen bis hin zu mehreren Monaten liegen kann. Unterschieden werden der episodische und der chronische Cluster-Kopfschmerz. Bei der episodischen Variante treten die Schmerzattacken über einen Zeitraum von 7 Tagen bis zu einem Jahr auf. Die mittlere Dauer liegt bei 4 bis 12 Wochen. Die schmerzfreien Zeitintervalle dauern mindestens 14 Tage. Beim chronischen Cluster-Kopfschmerz dauern die Clusterattacken länger als 1 Jahr. Schmerzfreie Intervalle außerhalb der Clusterattacken treten nicht auf oder dauern maximal 14 Tage. Clusterkopfschmerzen können aufgrund der sehr hohen Schmerzintensität zum Suizid führen. Die Diagnose ist wegen der charakteristischen Symptome nicht schwer. Durch eine richtige medikamentöse Behandlung sind die Clusterattacken oft gut zu kontrollieren. Deswegen ist eine frühzeitige richtige Diagnose für die Betroffenen von großer Bedeutung.

Alkohol und bestimmte Lebensmittel als Auslöser

„Bei den Betroffenen führen Cluster-Kopfmerzen zu einem enorm großen Leidensdruck“, so Prof. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) in Krefeld. „Häufig werden die Schmerzattacken durch verschiedene Auslösefaktoren, sogenannte Trigger, stimuliert. Das können bestimmte Verhaltensweisen, Umweltreize oder auch Nahrungsmittel sein. Daher ist es wichtig, diese Faktoren zu identifizieren. Dabei helfen kann das Führen eines Tagebuches.“ Mittlerweile ist bekannt, dass unter anderem Alkohol und Histamin, eine Substanz, die in vielen Lebensmitteln vorkommt, Cluster-Kopfschmerzen auslösen können. Bei einigen Patienten löst Blendlicht die Schmerzattacken aus. Sie sollten daher in der Zeit, in der sie unter Cluster-Kopfschmerzen leiden, Sonnenschutzgläser tragen, wenn sie Sonnenlicht ausgesetzt sind. Auch Kaffee und Nüsse sowie Glutamat, das in vielen Lebensmitteln als Geschmacksverstärker eingesetzt wird, können Schmerzattacken hervorrufen. Der Verzicht auf Nikotinkonsum ist ebenfalls empfehlenswert.

Schmerzattacken vorbeugen

„Ein Tagebuch, in dem die Patienten ihre Kopfschmerzattacken, ihre Häufigkeit und Stärke, konsumierte Lebensmittel, Alkohol- und Nikotinkonsum sowie Wetter und allgemeines Wohlbefinden notieren, ist enorm wichtig. Es kann helfen, den eigenen Erkrankungsverlauf besser zu verstehen und den Schmerzattacken vorzubeugen oder sie zumindest abzuschwächen“, erläutert Prof. Nelles. Neben den typischen Schmerzattacken können auf der betroffenen Gesichtshälfte Augenrötung, Augentränen, Verstopfung der Nase oder Nasenlaufen, vermehrtes Schwitzen im Bereich von Stirn und Gesicht, ein Hängen oder Schwellung des Augenlides, eine Verengung der Pupille sowie körperliche Unruhe mit einem erhöhten Bewegungsdrang auftreten. Beim Cluster-Kopfschmerz ist zumindest eines dieser Begleitsymptome zu beobachten. „Menschen mit heftigen Kopfschmerzattacken und möglicherweise zusätzlichen Begleitsymptomen sollten ihre Beschwerden unbedingt von einem Neurologen oder Nervenarzt abklären lassen“, empfiehlt der Neurologe.  Häufig kann der Clusterkopfschmerz durch regelmäßige (tägliche) Einnahme eines Medikamentes wesentlich gebessert werden. Mittel der ersten Wahl ist das Herzmedikament Verapamil. Wirksame Alternativen sind Lithium und Topiramat.

Ursache unklar

Die Ursache für den Cluster-Kopfschmerz ist nicht bekannt. Neuere Untersuchungen geben Grund zu der Annahme, dass Clusterkopfschmerzen im Bereich des erweiterten Venenraumes (Sinus cavernosus) an der vorderen Schädelbasis entstehen. Eine Erweiterung von Gefäßen scheint die Schmerzattacken zu begünstigen. „Zur Akutbehandlung einer Schmerzattacke hat sich das Einatmen von hundertprozentigem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske bewährt“, erklärt Prof. Nelles. „Die dafür notwendigen Geräte und der Sauerstoff werden vom Arzt verschrieben. Ebenfalls gut wirksam ist das Medikament Sumatriptan, das die Patienten mit Hilfe eines Autoinjektors selbstständig unter die Haut spritzen können.“ Das Medikament kann auch über ein Nasenspray zugeführt werden. Allerdings ist bei dieser Anwendung die Gesamtwirksamkeit geringer und die Wirkung tritt zeitlich verzögert ein. . Bei schweren und langen Attacken kann eine kurzfristige Behandlung mit Kortison notwendig sein. Beim Cluster-Kopfschmerz kaum wirksam oder sogar ineffektiv sind gängige Schmerzmittel oder auch Entspannungsübungen, Massagen und Akupunktur.

80.000 bis 120.000 Menschen betroffen

In Deutschland sind Schätzungen zufolge zwischen 0,1 und 0,15 Prozent der Bevölkerung, das sind in etwa zwischen 80.000 und 120.000 Menschen, am Cluster-Kopfschmerz erkrankt. Dabei sind Männer drei- bis viermal häufiger betroffen als Frauen.

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