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Schwere Depressionen meist stationär zu behandeln

Immer mehr Patienten kommen wegen psychischer Probleme ins Krankenhaus. Vor allem Depressionen und andere sogenannte affektive Störungen sind immer öfter Gründe für einen Klinikaufenthalt.

Immer mehr Patienten kommen wegen psychischer Probleme ins Krankenhaus. Vor allem Depressionen und andere sogenannte affektive Störungen sind immer öfter Gründe für einen Klinikaufenthalt. Das geht aus dem Report Krankenhaus 2011 hervor, den die Krankenkasse Barmer GEK am Dienstag in Berlin vorstellte. Doch nicht in jedem Fall ist ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll, wie Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe im Gespräch mit dem dpa-Themendienst erläuterte.Als Beispiel nannte er reine Angststörungen, die meist besser ambulant behandelt werden. Denn stehen bei einem psychisch Kranken Ängste in Kombination mit Vermeidungsverhalten im Vordergrund, sei ein „behütetes stationäres Umfeld“ nachteilig für die Behandlung. Die Betroffenen würden während des Klinikaufenthalts zum Beispiel nicht mit den sie ängstigenden Situationen wie Einkaufen oder Straßenbahnfahren konfrontiert. «Die Angst ist nach der Entlassung oft nicht kleiner», erläuterte Hegerl.Schwere Depressionen sollten dagegen besser so schnell wie möglich stationär behandelt werden. „Bei schweren Depressiven besteht eine relativ hohe Gefahr, dass sie suizidal handeln“, sagte der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Leipzig. Das gelte insbesondere für Menschen mit wahnhaften Depressionen, die mit völlig übertriebenen Schuldgefühlen oder schwersten Ängsten vor Krankheiten oder Verarmung einhergehen. Auch bei manisch-depressiven Erkrankungen, bei denen Betroffene neben depressiven auch manische Phasen haben, empfehle sich einen Krankenhausaufenthalt. „Umschwünge können hier die Behandlung verkomplizieren“, ergänzte er.„Sinnvoll ist die stationäre Behandlung auch, wenn die Sache komplizierter ist, also zum Beispiel mehrere vorherige Behandlungsversuche nicht angeschlagen haben oder schwere körperliche Begleiterkrankungen vorliegen“, erklärte Hegerl. So sei etwa bei Depressiven mit schweren Herzerkrankungen und einer Vielzahl von Medikamenten engmaschige Kontrolle etwa im Hinblick auf Wechselwirkungen der Arzneien wichtig.Grundsätzlich haben Patienten zwar eine freie Arzt- und daher auch eine freie Klinikwahl. „Aber psychiatrische Klinik sind häufig überfüllt“, sagte der Mediziner. Betroffene bekämen daher oft nur einen Platz in dem Krankenhaus im Umkreis, das eine Aufnahmepflicht habe. Dort könne es sein, dass wegen Personalknappheit «ärztliche Gespräche nicht so intensiv stattfinden, wie es sinnvoll wäre». Bei ambulanten Behandlungen durch Psychiater, Nervenärzte oder Psychologische Psychotherapeuten bestehen Hegerl zufolge die gleichen Engpässe.Deshalb fordern Kompetenznetz Depression, DGPPN, BVDN und BVDP eine dem tatsächlichen Bedarf angepasste Verbesserung der Versorgung von Menschen mit schweren Depressionen.Quelle: dpa/NPIN