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04.06.2019

Wissenschaftler identifizieren Angst-Erinnerungen im Hirn

Einem internationalen Forscherteam unter Beteiligung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim ist es gelungen, Strukturen im Gehirn für das Erinnern von Angst zu identifizieren. Dadurch sind völlig neue Therapieansätze denkbar.

Ein internationales, interdisziplinär besetztes Forscherteam hat nachgewiesen, dass Erinnerungen auch im Hypothalamus, einer evolutionär alten Hirnregion, abgebildet werden können. Bisher war man davon ausgegangen, dass Erinnerungen ausschließlich im Hippocampus entstehen und später im Cortex gespeichert werden. Die Arbeit kann als wichtige Grundlage angesehen werden, um neue Therapieansätze für Menschen mit allgemeinen Angstzuständen und insbesondere mit post-traumatischen Belastungsstörungen zu entwickeln. Veröffentlicht wurde die Forschungsstudie, an der auch Prof. Dr. Valery Grinevich, Leiter der Abteilung Neuropeptidforschung in der Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, beteiligt war, in der Fachzeitschrift Neuron.

Angstgedächtnis kann genauer lokalisiert werden

Mit Hilfe einer speziellen Technik ist es den Forschern gelungen, Schaltkreise im Gehirn zu identifizieren, die Angsterinnerungen abbilden. Die Technik erlaubt Rückschlüsse darauf, welche Zellen ein „Wissen über Angst enthalten“. Diese Entdeckung kann als sehr vielversprechend gelten und ermöglicht neue Studien, um die Engramme des Gedächtnisses in den verschiedenen Hirnregionen zu untersuchen, sowohl in den unteren als auch in den höheren Hirnstrukturen. Durch das Verständnis der anatomischen und funktionellen Angstschaltungen sollte es möglich sein, innovative Strategien zur Behandlung von psychischen Erkrankungen des Menschen zu entwickeln. Ein pathologisches Angstgedächtnis liegt zum Beispiel bei allgemeinen Angstzuständen und insbesondere bei posttraumatischen Belastungsstörungen vor.

Originalpublikation:
“A Fear Memory Engram and Its Plasticity in the Hypothalamic Oxytocin System”, Neuron. 2019, doi:10.1016/j.neuron.2019.04.029.

Quelle: Zentralinstitut für Seelische Gesundheit