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07.06.2018

Was Einnahmehinweise bei Medikamenten bedeuten

Der Beipackzettel frei verkäuflicher Arzneien ist lang. Und selbst wer sich die Mühe macht ihn zu lesen, hat hinterher manchmal noch Fragen.

«Drei Mal täglich vor dem Essen» - klingt erstmal logisch. Aber hat man die Blisterpackung dann in der Hand, kommen Fragen auf: Muss die Pille jetzt direkt vor dem ersten Bissen runter? Oder eher eine Stunde vorher? Die Bundesapothekenkammer gibt einen Überblick:

  • Rhythmus: Wie oft ein Medikament eingenommen werden sollte oder darf, legt der Arzt fest. Alternativ orientiert sich der Patient am Beipackzettel. Ist die Rede von «drei Mal am Tag», bedeutet das eigentlich: alle acht Stunden. Entsprechend hätte man über den Tag eine relativ gleichmäßige Konzentration des Arzneistoffs im Blut. Da das aber im Alltag nicht immer praktikabel ist, kann man sich im Zweifelsfall an den Mahlzeiten orientieren. Heißt zum Beispiel: eine Tablette zum Frühstück, eine mittags und die dritte abends kurz vor dem Zähneputzen.
  • Mahlzeiten: Vor, nach, mit dem Essen - an die Vorgaben im Beipackzettel oder die Empfehlung des Arztes sollte man sich halten. «Vor dem Essen» bedeutet 30 Minuten bis eine Stunde vor der nächsten Mahlzeit. Diese Mittel wirken schneller, wenn sie auf leeren Magen genommen werden. Kurz vor dem ersten Bissen dagegen wäre eigentlich «zum Essen» oder «mit dem Essen». Bei letzterem ist angeraten, das Mittel dann eher zwischen zwei Bissen zu nehmen, denn der Speisebrei schützt die empfindliche Magenschleimhaut vor möglichen Schäden durch das Medikament. Muss ein Mittel «nach dem Essen» eingenommen werden, wartet man nach der letzten Mahlzeit mindestens zwei Stunden, bis man die Tablette schluckt.
  • Halbe Pillen: Manche Tabletten lassen sich teilen. Aber nicht alle und auch nicht alle, die eine Bruchkante haben. Manchmal gibt es auch sogenannte Schmuckkerben auf Tabletten, die man gar nicht teilen darf. Hier orientieren sich Patienten also am besten am Beipackzettel. Hintergrund: Manche Tabletten sind mit einem Überzug versehen, der dafür sorgt, dass sie sich nur langsam auflösen. Zerstört jemand diesen Überzug, wirkt das Mittel viel zu schnell.
  • Ausreichend trinken: Die meisten Tabletten sollen sich im Magen auflösen. Damit das schneller geht, empfiehlt es sich, ein Glas Wasser dazu zu trinken.
  • Zu große Tabletten: Manche Menschen haben Probleme, große Tabletten herunterzuschlucken. In diesem Fall wird empfohlen, zuerst ein Stück Brot gut zu kauen, bis ein sehr weicher Speisebrei entsteht. Dann die Tablette zusätzlich in den Mund nehmen und alles zusammen runterschlucken. Das geht aber natürlich nicht bei Medikamenten, die «vor dem Essen» eingenommen werden sollen. Einige Mittel dürfen Patienten auch zerstoßen. Da das nicht immer möglich ist, vorsichtshalber vorher im Beipackzettel nachlesen oder in der Apotheke fragen.

Quelle: dpa, Bundesapothekerkammer