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08.03.2019

Tropen-Zecken: Uni bittet um Zusendung auffälliger Exemplare

Die Bevölkerung kann die Forschung zu einer neuen Zeckenart in Deutschland unterstützen, indem die Tiere eingeschickt werden.

Sie ist doppelt bis dreimal so groß wie ihre europäischen Verwandten und hat auffällig geringelte Beine: im vergangenen Jahr vermeldete Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart die ersten Funde der tropischen Hyalomma-Zecke in Deutschland. Auch in Schleswig-Holstein ist die gefährliche Zecke schon aufgetaucht. Ende 2018 entdeckte eine Reiterin (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ein Exemplar an ihrem Pferd und schickte es zur Untersuchung an das Robert-Koch-Institut (RKI). Dort wurde bestätigt, dass es sich um eine Zecke der Art Hyalomma marginatum handelte.

Zugvögel und Klimawandel fördern Verbreitung

Vermutlich wurde die auffällige Hyalomma-Zecke, die ursprünglich aus Afrika, Asien und Südeuropa stammt, durch Vögel eingeschleppt: „Der Klimawandel scheint es der Hyalomma Zecke zu erlauben, auch dauerhaft in Deutschland Fuß zu fassen“, erklärt Prof. Dr. Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim. In ihrem Jagdverhalten unterscheidet sich die neue Art von ihren europäischen Verwandten: Letztere klettern an Gräsern, Kräutern und Büschen in die Höhe, wo sie sich von Wildtieren und Wanderern abstreifen lassen. „Die Hyalomma-Zecke jagt dagegen aktiv: Sie erkennt Warmblütler auf Distanzen von bis zu 10 Metern und kann sie über mehrere 100 Meter verfolgen“, so Prof. Dr. Mackenstedt. Erwachsene Zecken bevorzugen große Tiere als Wirte. Larven und Nymphen befallen vor allem Vögel und Kleinsäuger. Sie bleiben bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt und können so mit Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt werden.

Infektionsgefahr hierzulande noch unklar

Inwieweit die neue Art auch Krankheiten überträgt, ist noch unklar „In ihrer Heimat gilt die Hyalomma-Zecke als Überträgerin einiger Krankheitserreger. Dazu gehören die Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers.“ Letztere (Rickettsien) seien in einigen der 2018 gefundenen Exemplare auch nachgewiesen worden. Die Erreger der hämorrhagischen Fieber-Formen bislang jedoch noch nicht.

Auffällige Tiere an Universität Hohenheim senden

Um die Ausbreitung und mögliche Gefahren durch die neue Hyalomma-Zecke zu erforschen, bittet die Zecken-Expertin nun die Bevölkerung um Mithilfe: „Wir sind dankbar, um jede eingesandte Hyalomma-Zecke, die wir im Labor erforschen können.“ Die exotischen Zecken werden zudem auf mögliche Krankheitserreger untersucht. Eine Anleitung für Verpackung und Versand der Zecken finden Sie unter: https://zecken.uni-hohenheim.de/zecken_melden 
Vor allem Reiterinnen und Reiter sollten beim täglichen Pferdestriegeln aufmerksam sein, da die Hyalomma-Zecke gerne große Säugetiere befällt. Festgebissene Zecken am besten - wie auch europäische Zecken - mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette entfernen und in kleinen, festverschlossenen Containern senden an:

Universität Hohenheim
Prof. Dr. Ute Mackenstedt
Fachgebiet für Parasitologie
Emil-Wolff-Straße 34
70599 Stuttgart

Weitere Infos: https://zecken.uni-hohenheim.de/zecken_melden 

Quelle: Pressemitteilung Universität Hohenheim, aerzteblatt