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24.05.2016

Trinknahrung kann Gedächtnisleistung bei Alzheimer im Frühstadium verbessern

Ein spezielles Nahrungsergänzungsmittel, das eine bestimmte Kombination von Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und weiteren Nährstoffen enthält, kann die Gedächtnisleistung von Patienten mit Alzheimer im Frühstadium aufrechterhalten. Die Betroffenen konnten geistige Alltagsaufgaben besser bewältigen, ihr Gehirn schrumpfte weniger schnell als das Gehirn von Patienten, die die Nährstoffkombination nicht zu sich nahmen. Das haben Europäische Wissenschaftler unter Federführung von Prof. Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes und Prof. Hikka Soininen von der Universität Ostfinnland in einer Studie mit 311 Patienten nachgewiesen, deren Ergebnisse sie vor kurzem auf dem Fachkongress Advances in Alzheimer's Therapy (AAT) in Athen erstmals präsentierten. Die Studie ist Teil des EU-Projektes LipiDiDiet, das seit 2007 den therapeutischen und präventiven Einfluss der Ernährung auf die Gedächtnisleistung und das Gehirn im Alter, bei Alzheimer-Patienten und bei der Vaskulären Demenz untersuchen soll.

Einmal täglich zu sich genommen, verhindert die Trinknahrung, dass der Hippocampus im Gehirn schrumpft. Dieser Teil des Gehirns ist wichtig für die Verbindung von Kurz- und Langzeitgedächtnis. Wer besonders früh mit der regelmäßigen Behandlung begonnen hatte, konnte seine Gedächtnisleistungen aufrechterhalten. Die Probanden konnten ebenfalls geistige Alltagsherausforderungen - wie zum Beispiel „Rechnungen bezahlen" oder „sich den Weg merken" - besser bewältigen als die Kontrollgruppe.

Damit haben die Forscher zum ersten Mal die Wirksamkeit eines Nahrungsergänzungsmittels bei Patienten im Alzheimer-Frühstadium nachgewiesen. Dies ist vor allem deshalb von Bedeutung, da es für Patienten im Alzheimer-Frühstadium bisher keine zugelassene medikamentöse Behandlung gibt. Im Frühstadium der Alzheimer-Erkrankung (prodromaler Alzheimer) ist ein geringer geistiger Leistungsverlust vorhanden, allerdings erreicht er noch nicht den Schweregrad einer Demenz.

Keine generelle Verbesserung der Hirnleistung

Das eigentliche Ziel, eine generelle Verbesserung der Hirnfunktionen, konnten die Wissenschaftler allerdings nicht feststellen. Die Unterschiede im generellen Abbau der Hirnleistung während der Studie waren zwischen beiden Probandengruppen - eine Gruppe, die die Nährstoffkombination bekam, die andere Gruppe, die sie nicht erhielt - weniger ausgeprägt, als die Forscher dies vor zehn Jahren, als die Studie entworfen wurde, erwarteten.


Ihre Studie konnte aber nichtsdestotrotz nachweisen, dass die Nährstoffkombination sehr wohl Hirngewebe, geistige Alltagsherausforderungen und die Gedächtnisleistung vieler Patienten im Alltag bewahren kann - also diejenigen Aspekte der Krankheit, die die Betroffenen oft am meisten bewegen. Weitergehende Details sollen nun in einer sechsjährigen Folgestudie erforscht werden.

Derzeit leiden zirka 47 Millionen Menschen weitweit an Alzheimer oder einer ähnlichen Demenz, für die es keine Heilung gibt. Binnen der kommenden 20 Jahre soll sich diese Zahl verdoppeln, im Jahr 2050 erwarten die Wissenschaftler rund 130 Millionen Betroffene.

„Wir wissen seit geraumer Zeit, dass manche gesunde Ernährung das Risiko, an Demenz zu erkranken, reduzieren kann", erklärt Projektkoordinator Tobias Hartmann erklärt. „Wir haben herausgefunden, dass bestimmte Nährstoffe einen schützenden Effekt auf die Hirnnerven haben. Dieses Wissen konnte bisher aber nicht in eine wirksame Therapie gegen Alzheimer umgesetzt werden, da die einzelnen Wirkstoffe für sich alleine genommen nicht genug gegen Alzheimer ausrichten können. Die heutigen Ergebnisse zeigen, dass der Schlüssel zum Erfolg bestimmte Kombinationen von Nährstoffen sind. Das ist umso aufsehenerregender, als dass wir nun erstmals zeigen konnten, wie man einige der für die Patienten tatsächlich am stärksten belastenden Symptome der frühen Alzheimer-Krankheit eindämmen kann. Diejenigen Patienten, die bisher die wenigsten Gehirnfunktionen verloren haben, könnten somit am meisten von unseren Studienerkenntnissen profitieren."

An der zweijährigen klinischen Studie nahmen 311 Patienten teil. Derzeit leiden zirka 47 Millionen Menschen weitweit an Alzheimer oder einer ähnlichen Demenz, für die es keine Heilung gibt. Binnen der kommenden 20 Jahre soll sich diese Zahl verdoppeln, im Jahr 2050 erwarten die Wissenschaftler rund 130 Millionen Betroffene.

Quelle: Universität des Saarlandes