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10.04.2016

Neurophysiologie: Hirnschrittmacher hilft bei Parkinson noch effizienter

Bei vielen Patienten mit Parkinson lassen sich Zittern, langsame Bewegungen oder Muskelsteifheit im fortgeschrittenen Stadium allein mit Medikamenten nicht mehr kontrollieren. Ihnen kann ein Schrittmacher, der elektrische Impulse im Gehirn abgibt, helfen. Neue Techniken sollen jetzt die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (THS) noch verbessern und Nebenwirkungen vermindern.

Wie diese Techniken funktionieren und bei welchen anderen Erkrankungen die bewährte neurophysiologische Methode zukünftig zum Einsatz kommen könnte, berichtete der Kongresspräsident auf der Pressekonferenz zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) in Düsseldorf.

Bei der THS mindern Stromimpulse unkontrollierte Bewegungen wie Zittern in 80 bis 90 Prozent der Fälle und führen zu einer besseren Beweglichkeit der Parkinson-Patienten. „Neue technische Entwicklungen führen nun zu entscheidenden Weiterentwicklungen der THS“, sagt Professor Dr. med. Alfons Schnitzler, Kongresspräsident der 60. Jahrestagung der DGKN vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Die Stromimpulse könnten mittlerweile räumlich gesteuert werden und so gezielter den Ort des Geschehens erreichen. „Anstelle einer gleichmäßigen Dauerstimulation sollen die Impulse nur noch zeitweise abgegeben werden. Genau dann, wenn die Nervenzellen, die das typische Parkinson-Zittern verursachen, auch aktiv sind“, erklärt Schnitzler den Fortschritt.

Neue Technik ermöglicht gezielte Steuerung von Stromimpulsen

Eine Arbeitsgruppe der Universität Oxford konnte bereits nachweisen, dass diese adaptive Stimulation bei Parkinson-Patienten besser wirkt als eine dauerhafte Impulsabgabe des Hirnschrittmachers. Nebenwirkungen wie etwa Sprachschwierigkeiten oder Muskelverkrampfungen traten deutlich seltener auf. „Die Tiefe Hirnstimulation könnte in Zukunft aber auch bei anderen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen zum Einsatz kommen“, so Schnitzler. In einer von Düsseldorfer Experten geleiteten klinischen Multizenterstudie wird derzeit die Behandlung der Huntington-Erkrankung erforscht. Zudem nennt Schnitzler das Tourette-Syndrom, Zwangserkrankungen, Depression und Alzheimer als weitere Einsatzgebiete.
Die Tiefe Hirnstimulation ist eine seit mehr als zwei Jahrzehnten genutzte und heute gut etablierte Therapie neurologischer Erkrankungen. Dabei implantieren Neurochirurgen in einem minimal-invasiven Eingriff Elektroden in das Gehirn der Erkrankten. Diese Elektroden werden dann unter der Haut mit einem Schrittmacher – ähnlich einem Herzschrittmacher – verbunden. Auf dem Kongress der DGKN 2016 und der vorangehenden II. International DBS Conference in Düsseldorf berichten internationale Experten über die Fortschritte der Technik und darüber, wo diese neurophysiologische Entwicklung zukünftig zum Einsatz kommen sollte.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, DGKN