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10.02.2017

Multiple Sklerose: Bestimmter Kontrastmittel-Typ verursacht weniger Ablagerungen im Gehirn

Zur Diagnose und Verlaufsbeurteilung müssen MS-Patienten häufig MRT-Untersuchungen durchführen lassen. Dabei werden auch bestimmte Kontrastmittel verabreicht, um aussagekräftige Bilder zu erhalten.

Gadolinium ist ein Metall aus der Gruppe der Seltenen Erden, bei MRT-Untersuchungen sorgt es dafür, dass Organe und Gewebe besser sichtbar werden. Wissenschaftler an der Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des NeuroCure Clinical Research Centers sowie des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin haben gemeinsam untersucht, inwiefern die wiederholte Verabreichung gadoliniumhaltiger MRT-Kontrastmittel zu einer Ablagerung des Metalls im Gehirn von Patienten mit Multipler Sklerose führt. Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Multiple Sclerosis Journal berichten, bergen sogenannte makrozyklische Präparate weniger Risiken einer Ablagerung.

Keine Beeinträchtigungen durch Kontrastmittel-Ablagerungen bekannt

Aus wissenschaftlichen Studien der vergangenen Jahre wissen wir, dass sich gadoliniumhaltige Kontrastmittel, die regelmäßig bei MRT-Untersuchungen eingesetzt werden, dauerhaft in bestimmten Regionen des Gehirns ablagern können. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass dadurch gesundheitliche Beeinträchtigungen verursacht werden. Dennoch haben die Erkenntnisse über Gadolinium-Ablagerungen in den Kerngebieten des Groß- und Kleinhirns zu Verunsicherungen bei Patienten und Ärzten geführt. Hiervon sind besonders Patienten mit Multipler Sklerose (MS) betroffen. Die Erkrankung manifestiert sich häufig bereits im jungen Erwachsenenalter. Bei vielen Patienten werden im Laufe des Lebens eine relativ hohe Anzahl kontrastmittelgestützter MRT-Untersuchungen durchgeführt. Trotz der besonderen Relevanz von Gadolinium-Ablagerungen für MS-Patienten gab es bislang kaum Studien zu diesem Thema.

Wissenschaftler vergleichen lineare und makrozyklische Kontrastmittel-Präparate

Ein Forscherteam um Privatdozent Dr. Michael Scheel und Prof. Dr. Friedemann Paul am Exzellenzcluster NeuroCure der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat nun den Einsatz von zwei unterschiedlichen Arten häufig genutzter MRT-Kontrastmittel untersucht. Übereinstimmend zu Ergebnissen vorangegangener Untersuchungen konnte nun auch für MS-Patienten gezeigt werden, dass die wiederholte Anwendung eines bestimmten, linearen Kontrastmittel-Typs zur Ablagerung in einem Kerngebiet des Kleinhirns führt. „Bei Patienten, die einen anderen MRT-Kontrastmitteltyp, sogenannte makrozyklische Kontrastmittel, erhalten haben, konnten wir keine Hinweise für eine Ablagerung im Gehirn feststellen“, erklärt Privatdozent Dr. Scheel. „In Anbetracht der aktuellen Datenlage haben Kontrastmittel eines bestimmten Typs mit einer linearen Molekülstruktur ein deutlich höheres Ablagerungsrisiko. Kontrastmittel mit einer ringförmigen, makrozyklischen Struktur scheinen diesen Effekt nicht oder deutlich weniger zu zeigen“, so die Wissenschaftler. Sie empfehlen für die Zukunft, dass Neurologen und Radiologen, die MS-Patienten betreuen, die aktuellen Studienergebnisse im Zuge von kontrastmittelgestützten MRT-Untersuchungen berücksichtigen. An der Charité kommen bereits seit mehreren Jahren ausschließlich makrozyklische Präparate zur Anwendung.

Literatur:
Ludwig Schlemm, Claudia Chien, Judith Bellmann-Strobl, Jan Dörr, Jens Wuerfel, Alexander U Brandt, Friedemann Paul and Michael Scheel. Gadopentetate but not gadobutrol accumulates in the dentate nucleus of multiple sclerosis patients. Mult Scler September 27, 2016. doi: 10.1177/1352458516670738. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27679460

Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin