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22.02.2018

Im Alter: Oft sind Medikamente die Ursache für Gebrechlichkeit

Über die Hälfte der über 60-Jährigen nimmt mehr als zwei bis fünf Medikamente gleichzeitig ein. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter und der Anzahl der Medikamente das Risiko für unerwünschte Wirkungen und Interaktionen. Medizinier möchten diesem Problem nun besser nachkommen und die Pharmakotherapie im Alter verbessern.

Schwindel, Stürze, Gedächtnisstörungen: Das können Alterserscheinungen sein – oder die Folge von Medikamenten. Dr. Ursula Wolf vom Universitätsklinikum Halle (UKH) hat sich die Medikation von knapp 10.000 Medikationslisten analysiert: „Wechselwirkungen, sich addierende Nebenwirkungen, Überdosierungen und Fehlindikationen – die Bilanz ist besorgniserregend“, sagt die Internistin, die am UKH für das Pharmakotherapie-Management zuständig ist. Auf dem 6. Interprofessionellen Gesundheitskongress in Dresden wird Dr. Wolf das Projekt SAPREMO vorstellen, das die Pharmakotherapie im Alter verbessern soll, und zwar durch gemeinsame Fortbildungen von Hausärzten, Apothekern und Pflegekräften. Der Kongress, der sich die Zusammenarbeit aller Gesundheitsfachberufe sowie die sektorenübergreifende Versorgung auf die Fahnen geschrieben hat, wird gemeinsam von Springer Medizin und Springer Pflege ausgerichtet.

Laut einer Umfrage der Stiftung Warentest nimmt weit mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen zwei bis fünf Medikamente gleichzeitig ein, fast jeder fünfte sogar fünf Medikamente oder mehr. „Doch mit zunehmendem Alter und der Anzahl der Medikamente steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen und Interaktionen“, warnt Wolf. „Gegen Neben- und Wechselwirkungen werden wiederum neue Medikamente verschrieben – ein Teufelskreis beginnt.“ Das Projekt SAPREMO hat zum Ziel, durch einen präventiven Ansatz diese Negativspirale zu verhindern. „Das funktioniert nur, wenn alle Berufsgruppen für die medikamentös bedingte Gebrechlichkeit sensibilisiert werden und sich auf Augenhöhe darüber austauschen“, so Projektleiterin Wolf. Deshalb kooperiert das UKH bei dem Projekt, das von der Robert Bosch Stiftung gefördert wird, unter anderem mit der Ärztekammer und der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen. „Je mehr Beteiligte auf diese Problematik achten, desto größer ist die Chance, schon früh Symptome zu bemerken, die medikamentös bedingt sind.“ In einer aktuellen Analyse stellte sich heraus, dass mit einer Überprüfung der Medikation mehr als 80 Prozent der Stürze und kognitiven Funktionsstörungen bei alten Menschen verhindert werden können.

Auch Patientenaufklärung soll verbessert werden

Nächster Schritt wird sein, die Patienten selbst über die Risiken der Multimedikation aufzuklären. „Auch Patienten müssen begreifen, dass nicht jede Störung mit Arzneimitteln behandelt werden muss“, sagt Wolf. Wie die Gesundheitskompetenz des Patienten gestärkt werden kann, wird ebenfalls ein Schwerpunkt auf dem Kongress sein. Wie die Gesundheitsberufe auch bei Demenz und Diabetes, in der Palliativversorgung oder beim Risikomanagement besser kooperieren können, sind weitere Veranstaltungs-Highlights.

Quelle: Pressemitteilung Springer Medizin