Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Borreliose: Schutz und Zeckenentfernung

Im Frühjahr und Sommer ist bei Aufenthalten in Wald und Wiese auf das Vorkommen von Zecken zu achten. Sinnvoll ist es, möglichst glatte Kleidung zu tragen und behaarte Hautpartien zu bedecken. Für die Wirksamkeit der Anwendung so genannter Repellents (mückenabweisende Mittel) auf der Haut gibt es keine abschließenden wissenschaftlichen Beweise.

Da die Zecken häufig nicht sofort stechen und zudem mehrere Stunden nach Beginn des Saugakts vor der Übertragung von Borrelien vergehen können, ist es durchaus von Nutzen, nach einem möglichen Zeckenkontakt den Körper auf Zecken abzusuchen. Bevorzugte Stellen sind Regionen mit zarter Haut wie Achseln, Genitalbereich, Ohren und Rumpf. Duschen alleine hilft nicht, da sich die Zecken mit ihren Beinen sehr fest halten. Der Stich der Zecke ist übrigens schmerzlos und der Saugakt kann eine ganze Woche dauern.

Die festgesaugte Zecke ist am besten mit einer Spezial-Pinzette (L-förmig gebogene Pinzette, keine Kunststoff-Pinzette) am Kopfbereich direkt über der Haut zu fassen und langsam, ohne Drehen, herauszuziehen. Versuchen Sie so wenig wie möglich zu drücken, damit nicht der Mageninhalt in die Stichregion gedrückt wird. Manipulationen mit Öl, Klebstoff und Ähnlichem sind nicht zu empfehlen, da sie dazu führen können, dass die Zecke borrelienhaltigen Mageninhalt im Todeskampf in die Haut erbricht. Viele haben gute Erfahrung mit 70%igem Alkohol gemacht: Ein Tropfen auf die Zecke tötet diese nach ca. 30 Sekunden ab. Dann lässt sie sich ganz ohne Pinzette durch leichtes Wischen entfernen.

Informieren sollte man sich auch zum Thema  Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME), da auch diese virale Krankheit von Zecken übertragen wird. FSME ist zwar allgemein seltener als Borreliose, es gibt aber regelrechte Risikogebiete, vor allem im Süden Deutschlands, in Österreich und weiten Teilen Osteuropas. Und: Gegen FSME kann man sich impfen lassen!

Ein vorbeugender Impfstoff steht im Gegensatz zu FSME gegen die Borreliose nicht zur Verfügung.

Wichtige Hinweise zur Zeckenentfernung

Eine Zeckenentfernung muss richtig und sofort nach Entdecken der Zecke vonstatten gehen! Warten Sie nicht bis zum nächsten Tag, wenn der Arzt wieder Sprechstunde hat. Je länger die Zecke in der Haut verbleibt, desto höher ist das Risiko einer Infektion mit Borrelien.

Eine in der Haut sitzende Zecke sollte weder mit Öl noch mit Klebstoff behandelt werden. 80% der durch Zecken verursachten Infektionen erfolgen durch derartige Vorbehandlungen und Quetschungen. Achten Sie besonders auf die kleinen Larven und Nymphen. Diese sind sehr klein, hellbraun und können leicht übersehen werden, da sie fast wie ein Leberfleck aussehen. Larven und Nymphen sind etwa so groß wie der Kopf einer Stahlstecknadel.

Eine Zecke sollte möglichst nur am Kopf und mit einer spitzen, L-förmig gebogenen Pinzette gefasst und herausgezogen werden. Wegen der Größenverhältnisse erfordert dies allerdings fast mikrochirurgisches Gerät und ist mit den üblich zu erwerbenden Geräten kaum zu leisten. Die so genannten Zeckenzangen aus Kunststoff sind in der Regel zu grob und zerquetschen daher die Zecke, was die Wahrscheinlichkeit einer Infektion erhöht. Verbleibt das Stichorgan der Zecke in der Haut, so hat dies keinen Einfluss auf eine Borrelien-Infektion. Die Stichstelle sollte mit einem Desinfektionsmittel oder hochprozentigem Alkohol gesäubert werden. Die Desinfektion verhindert jedoch keine Borrelien-Infektion.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Peter Berlit, Essen (DGN)