Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Diagnostik: Zusatzuntersuchungen

Um die vom Patienten geäußerten Beschwerden oder die erhobenen Befunde besser erfassen und einordnen zu können, werden häufig noch neben einer Laboruntersuchung (Blutbild, Urin, in seltenen Fällen auch Lumbalpunktion etc.) verschiedene technische Untersuchungen durchgeführt. Mit Hilfe dieser technischen bzw. apparativen Untersuchungen will der Arzt u.a. herausfinden, wie stark ausgeprägt die Störung eines Patienten ist bzw. wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist und welche Ursachen dafür verantwortlich sind.
Zu den häufigsten technischen Untersuchungen in der Neurologie gehören u.a. die, die Elektroenzephalografie (EEG), die Elektromyografie (EMG), die Elektro­neurografie (ENG), die evozierten Potenziale (EP), der Ultraschall (Sonografie), die Magnetresonanztomografie (MRT) die Computertomo­grafie (CT) und die Angiografie.

Angiografie

Bei der Angiografie werden die Blutgefäße im Gehirn dargestellt. Man unterscheidet drei verschiedene Verfahren:

Die intraarterielle Angiografie ist ein Röntgenverfahren. Dabei injiziert der Arzt dem Patienten ein Kontrastmittel in eine Arterie. Die anschließend durchgeführte Röntgenaufnahme zeigt den Verlauf der Hirnarterien und -venen. Diese Untersuchungsmethode setzt man bei Hinweisen auf einen Arterienverschluss (Thrombose, Embolie) ein, wenn die Auflösung des Blutgerinnsels sinnvoll erscheint. Sie wird auch bei Patienten durchgeführt, bei denen der Verdacht auf eine krankhafte Veränderung der Arterien oder eine Gefäßmissbildung (z.B. Aneurysma = Gefäßaussackung; Angiom = Gefäßfehlbildung) besteht.

Die Magnetresonanz-Angiografie (MRA) arbeitet nicht mit Röntgenstrahlen. Sie benötigt kein Kontrastmittel für die Darstellung der Hirnarterien und -venen. Allerdings kann dieses Verfahren nicht bei Patienten mit einem Herzschrittmacher eingesetzt werden, weil die elektrischen Ströme des Schrittmachers das zur Messung benötigte Magnetfeld stören.

Auch bei der Computertomografie können die Blutgefäße im Gehirn dargestellt werden. Hier ist aber das Spritzen eines Kontrastmittels unerlässlich. Diese Untersuchung wird als CT-Angiografie bezeichnet. Sie gibt Aufschluss über Gefäßeinengungen und Verschlüsse der größeren Gefäße.

Computertomografie (CT)

Die Computertomografie ist ein Verfahren der Röntgendiagnostik, das eine direkte Darstellung von Knochen aber auch von Weichteilstrukturen ermöglicht. Dabei wird mit einem dünnen, fächerartigen Röntgenstrahlbündel die zu untersuchende Körperregion schichtweise abgetastet. Nach nur wenigen Sekunden wird aus Millionen von Einzeldaten ein Fernsehbild (Computertomogramm) aufbaut. Bei der CT des Gehirns lassen sich geringe Veränderungen des Hirngewebes z.B. infolge von Durchblutungsstörungen, Blutungen oder Tumoren erkennen. Bei manchen Fragestellungen ist bei einem Schädel-CT die Gabe von Kontrastmitteln nicht erforderlich. Der Nachweis von Tumoren oder entzündlichen Prozessen kann mit Hilfe eines Kontrastmittels allerdings verbessert werden.

Elektroenzephalografie (EEG)

Die Elektroenzephalografie ist ein Verfahren, bei dem die spontane elektrische Aktivität des Gehirns gemessen und aufgezeichnet wird, sehr ähnlich dem EKG für das Herz. Durch das Anbringen von befeuchteten Metallplättchen (Elektroden) an bestimmten Stellen der Kopfhaut kann man die Hirnströme ableiten. Anschließend werden die Signale verstärkt und aufgezeichnet. Die Signale sehen unterschiedlich aus, je nachdem in welchem Zustand sich der Patient gerade befindet (Schlaf-, Wach-, Traumphase usw.).

Diese Methode erlaubt  diagnostische Rückschlüsse vor allem bei Anfällen (auch epileptischen), Zuständen mit unklarer plötzlicher Bewusstlosigkeit, aber auch bei Tumoren, traumatischen Schäden und bei entzündlichen Veränderungen im Gehirn.

Elektromyografie (EMG) - Bestimmung der Muskelaktivität 

Das Elektromyogramm zeichnet die Aktivität einzelner Muskeln auf. Dazu wird spezielle dünne Nadel in den Muskel gestochen. Diese Untersuchung zeigt, wie ein Muskel willkürlich aktiviert werden kann und wie er auf ein elektrisches Signal eines in der Nähe liegenden Nerven reagiert, d.h. ob der Muskel selbst oder der ihn versorgende Nerv geschädigt ist. Diesen Test kombiniert der Arzt häufig mit der Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit.

Elektroneurografie (ENG) - Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit

Der Arzt reizt bei der Elektroneurografie einen Nerv nacheinander an zwei Stellen mit einem kleinen elektrischen Impuls. An einer anderen Stelle, meist über dem Muskel, bestimmt er die Ankunftszeit des Signals. Am Bildschirm wird dann die Nervenleit­geschwindigkeit für jeden einzelnen Nerv dargestellt. Beginnende Nervenschädigungen können durch eine verminderte Leitgeschwindigkeit oder unterbrochene Leitfunktion angezeigt werden.

Evozierte Potenziale (EP)

Hier werden bioelektrische Aktivitäten des Gehirns registriert, die als Reaktion auf bestimmte Reize (visuell, akustisch, sensibel) von außen entstehen. Diese Untersuchungen sind wertvoll, um Störungen im Bereich der Bahnsysteme, die mit der Fortleitung dieser externen Reize befasst sind, aufzudecken.

Magnetresonanztomografie (MRT) / Kernspintomografie

Die MRT, auch als Kernspintomografie bezeichnet, ist ein computergestütztes bildgebendes Verfahren, das auf dem Prinzip der Kernspinresonanz beruht. Bei dieser Untersuchung macht man sich den Drehimpuls, den so genannten Spin, der Atomkerne des Wasserstoffs (Protonen) zu Nutze, die im menschlichen Körper in großer Häufigkeit vorkommen. In einem starken Magnetfeld richten sich diese Rotationsachsen entlang des Magnetfeldes aus, der Körper wird „magnetisiert“. Die Stärke des Magnetfeldes ist geräteabhängig unterschiedlich. Die in der Radiologie verwendeten Hochfeldmagneten haben eine Stärke von 1 bis 1,5 Tesla. Bei der eigentlichen Messung werden Hochfrequenzwellen mit einer Frequenz im Kurzwellenbereich auf das zu untersuchende Körperteil eingestrahlt. Dadurch kommt es zu einer Anregung des Atom-Spins, die zu „kreiselnden“ Kreiselbewegungen führt. Nach Abschalten des Impulses richten sich die Spins wieder entlang des Magnetfeldes aus. Dabei senden die Atomkerne winzige Impulse zurück, die durch Spulen empfangen werden. Eine Umwandlung der empfangenen Signale ermöglicht es schließlich, dass dem Arzt verwertbare Bilder auf dem Monitor zur Verfügung stehen. Da die verschiedenen Gewebe eine unterschiedliche Dichte an Wasserstoffprotonen aufweisen, ist eine Differenzierung gut möglich.

Der große Vorteil der MRT liegt in ihrer fehlenden Strahlenbelastung und dem guten Gewebekontrast. Letzterer ermöglicht v.a. eine gute Weichteildarstellung, weshalb die MRT für Untersuchungen des Gehirns (v.a. bei Blutungen und Hirninfarkten) häufig angewandt wird.

Ultraschall (Doppler-Sonografie)

Die Doppler-Sonografie der Arterien an Hals (Halsschlagader, Carotis), Nacken und im Schädelinneren, erlaubt die Untersuchung des Blutflusses mit Hilfe von Ultraschall. Sie dient der Diagnose von Gefäßerkrankungen. Anhand der Messung der Strömungsgeschwindigkeit und des Nachweises von Strömungsbeschleunigungen (bei Gefäßengstellen), Turbulenzen (Veränderungen des glatten Blutflusses) oder Strömungsunterbrechungen (z.B. durch Embolie) kann der Arzt erkennen, wie stark und wo die Blutgefäße erkrankt sind.

Fachliche Unterstützung: Dr. med. Uwe Meier (BDN), Grevenbroich