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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Was können Eltern bei Alkohol- und/oder Drogenkonsum ihrer Kinder unternehmen?

Eltern sollten immer ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Kinder haben. Die Gewissheit, mit allen Problemen zu den Eltern kommen zu können, schafft eine wichtige Vertrauensbasis und schützt Jugendliche vor einer Gefährdung durch Drogen.

Eltern, Lehrer aber auch gleichaltrige Freunde sollten den Betroffenen unbedingt auf problematischen Drogenkonsum ansprechen und ihr Interesse an ihm deutlich machen. Eine wichtige Möglichkeit für Eltern, das Interesse an ihren Kindern zu zeigen ist es, offen mit ihnen über Gebrauch und Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen zu sprechen. Im Vorfeld eines Gesprächs mit dem Kind oder Jugendlichen kann es sehr hilfreich für die Eltern sein, die Beratung einer Drogenberatungsstelle in Anspruch zu nehmen. Ein wichtiger weiterer Schritt ist gegebenenfalls der Besuch des Kindes oder Jugendlichen beim Arzt, um körperliche Ursachen für die Warnzeichen abzuklären.

Drohungen, Verbote, Strafen oder emotionale Erpressung helfen dem Kind bzw. Jugendlichen nicht. Stattdessen sollte versucht werden, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, in dem Eltern sachlich über die negativen Auswirkungen diskutieren, ohne den Alkoholkonsum zu verbieten. Eltern sollten dabei auch ihre Ängste und Befürchtungen schildern. Der Betroffene braucht Zeit, um von sich aus über seine Probleme zu sprechen. Im Gespräch sollte Alkohol nicht das einzige Thema sein, sondern die gesamte Lebenssituation: Wo liegen die Ursachen für den Drogenmissbrauch, wo ist der Jugendliche überfordert? Gemeinsam kann dann eine Strategie entwickelt werden, wie der Missbrauch in den Griff zu bekommen ist. Eltern sollten die Grenzen ihrer Möglichkeiten erkennen und akzeptieren. Ist das Kind bereits abhängig, ist professionelle Hilfe z.B. durch den Kinder- und Jugendarzt, den Kinder- und Jugendpsychiater, die Jugendhilfe, die Suchtberatungsstellen, Therapeuten nötig.

Eine Leugnung des Drogenkonsums bei den betroffenen Jugendlichen sowie der fortgesetzte Kontakt zu Drogen konsumierenden Gleichaltrigen hat meist zur Folge, dass das Suchtverhalten über Jahre hinweg beibehalten wird. Wenn sich das Kind weigert, zu einer Drogenberatungsstelle oder einem Arzt mitzugehen, können sich Eltern dort persönlich beraten lassen, wie sie ihrem Kind am besten helfen können.

Haben die Jugendlichen die Bereitschaft zur Behandlung, können sie durch eine Psychotherapie und eine Stärkung des sozialen Umfelds Strategien erlernen, um die Suchterkrankung zu überwinden.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Rainer Thomasius, Hamburg (DGKJP)