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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Prävention: Was können Eltern tun?

Kinder, die ein gesundes Körpergefühl und ein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln, können leichter „Nein“ zu Alkohol und Drogen sagen. Indem Jugendliche in ihrer Familie Respekt und Aufmerksamkeit erfahren und dabei ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, fällt es ihnen auch leichter, möglichem Gruppenzwang zu widerstehen und nicht mitzumachen. Die Förderung der Eigeninitiative und Eigenverantwortung zum Beispiel durch Übertragen wichtiger Aufgaben in der Familie erleichtert einem Jugendlichen, eigene Erfahrungen auch in Bezug auf Drogen zu sammeln und sich ein Urteil zu bilden.

Untersuchungen weisen nach, dass Eltern eine wichtige Rolle als Vorbild haben. Kinder lernen von ihnen, welche Bedeutung Alkohol hat. Bereits im Grundschulalter haben die meisten Kinder ein bestimmtes Bild von Alkohol (kognitives Schema, Alkoholkonzept). Wenn Kinder bereits von ihren Eltern lernen, dass Alkohol selbstverständlich zur Freizeit und zum Wochenende gehört und zur Problemlösung eingesetzt wird, übernehmen sie später oft diese Verhaltensweisen. Stattdessen ist es wichtig, dass Kinder von den Eltern lernen, Konflikte konstruktiv auszutragen und Probleme offen anzusprechen.

  • Alkohol sollte deshalb nie in Gegenwart von Kindern als besonders entspannend, entlastend, wohlschmeckend usw. angepriesen werden.
  • Kleinkindern und Grundschülern sollten niemals alkoholische Getränke angeboten werden.
  • Auch Medikamente und Lebensmittel mit Alkoholgeschmack setzen die Hemmschwelle herab. Die Menge des zugeführten Alkohols spielt dabei keine Rolle, er wird schon in geringen Mengen wahrgenommen.
  • Kinder sollten ebenso nicht zum Alkoholeinkauf (Bierholen) geschickt werden.
  • Ältere Jugendliche (ab 14 Jahren) sollten nur in besonderen Ausnahmesituationen ganz gelegentlich Nippen und Anstoßen dürfen, um dem Alkohol die Faszination zu nehmen.
  • Ziel ist keine Alkoholabstinenz, sondern dass der Jugendliche einen vernünftigen Umgang mit Alkohol lernt.

Auch ein offenes Verhältnis zu den Eltern wirkt protektiv (schützend). In der Phase der Loslösung von den Eltern, benötigen Jugendliche das Gefühl, eine Basisstation zu haben, zu der sie mit all ihren neuen Erfahrungen jederzeit zurückkehren können. Eltern sollten für Jugendliche ab einem bestimmten Alter kein generelles Alkoholverbot aussprechen, da dies den Reiz des Verbotenen erhöht. Allerdings sollten Eltern klare Ausgehregeln mit den Jugendlichen vereinbaren und bei einer Missachtung Konsequenzen ziehen. Handelt ein Jugendlicher mit Zustimmung der Eltern, bestehen viel bessere Chancen, dass er mit den Eltern über seine Erfahrungen spricht.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Rainer Thomasius, Hamburg (DGKJP)