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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

28.02.2011

Schulverweigerung – Signal für tiefergreifende Störungen und spätere Probleme

Schulvermeidung  geht prognostisch mit einem höheren Risiko für schulisches Versagen, spätere Arbeitslosigkeit, psychische Erkrankungen sowie auch Kriminalität einher und kann gravierende Folgen für die Lebensperspektive der Betroffenen haben.

Viele Schüler, die ihre Schullaufbahn ohne Abschluss beenden, bleiben zuvor dem Unterricht wiederholt fern. Schulverweigerung   geht prognostisch mit einem höheren Risiko für schulisches Versagen, spätere Arbeitslosigkeit, psychische Erkrankungen sowie auch Kriminalität einher und kann gravierende Folgen für die Lebensperspektive der Betroffenen haben.  Dem schulvermeidenden Verhalten liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde – in vielen Fällen treten parallel psychische Störungen auf. „Schulverweigerung muss als Warnsignal möglicher psychischer Probleme angesehen werden und kann für die Kinder und Jugendlichen erhebliche Entwicklungs- und Integrationsprobleme nach sich ziehen - bis ins Erwachsenenalter. Die frühzeitige Entdeckung dieser Tendenzen sowie eine gezielte Diagnostik und gegebenenfalls Therapie der Störungen kann Betroffene vor weiteren Problemen, die mit der Schulverweigerung assoziiert sind, bewahren. Voraussetzung dafür ist eine schnelle Reaktion auf dieses Verhalten und eine gemeinsame Hilfestellung durch die Schule, die Lehrer, die Jugendhilfe  sowie  auch durch Kinder- und Jugendpsychiater“, fordert Dr. phil.  Martin Knollmann anlässlich der 32. Jahrestagung, die die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) von Mittwoch, den 2. bis Samstag, den 5. März 2011 in Essen ausrichtet. „Die Hilfe kann beispielsweise in der Lösung von Mobbingsituationen bestehen, der Therapie von Angststörungen, in der Beratung betroffener Eltern oder einer Klärung der weiteren schulischen Perspektive dieser jungen Menschen.“ Bleiben frühzeitige Hilfen aus, verschlechtert sich die Prognose der Kinder und Jugendlichen. In Deutschland verlassen etwa 8 % aller Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss.

Im Kindes- und Jugendalter überwiegen unterschiedliche StörungsbilderDie Ursachen der Schulverweigerung können je nach Lebensalter unterschiedlich sein. „Im Kindesalter dominiert die angstbedingte Schulverweigerung.  Kinder fürchten die Trennung von ihren Eltern oder sie empfinden den Schulbesuch als ängstigende Bedrohung oder Überforderung, der sie aus dem Weg gehen möchten. Parallel treten oft körperliche Beschwerden, wie Kopf- oder Bauchschmerzen auf“, erläutert Dr. Knollmann, der im LVR-Klinikum Essen in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Spezialambulanz für schulvermeidendes  Verhalten arbeitet. „Bleiben diese Schulängste oder -phobien unbehandelt, bestehen die psychischen Probleme meist weiter und können in der Folge zusätzliche Störungen nach sich ziehen.“ Ab dem beginnenden Jugendalter weitet sich das Spektrum der Störungen dann deutlich aus. In diesem Alter sind neben Angststörungen insbesondere Störungen des Sozialverhaltens Gründe für das Fernbleiben von der Schule. „Typisch hierfür ist, dass parallel keine körperlichen Beschwerden auftreten und auch keine Ängste oder emotionale Belastungen. Betroffene zeigen oft dissoziale Verhaltensauffälligkeiten und neigen zu Regelverletzungen“, ergänzt der Experte. Doch auch psychische Störungen wie Depressionen sind häufige Störungsbilder bei Heranwachsenden, die sowohl  alleine als auch im Verbund mit Störungen des Sozialverhaltens auftreten können. 

Auf dem Kongress werden noch weitere kinder- und jugendpsychiatrische Themen behandelt, die sich um Probleme mit dem Schulbesuch drehen - darunter Teilleistungsstörungen, wie der Lese-Rechtschreib-Störung oder Rechenschwächen. Auch der Stellenwert von Medikamenten und psychotherapeutischen Verfahren bei der Behandlung von Störungen, wie beispielsweise ADHS, wird diskutiert werden.

Eröffnungspressekonferenz:Mittwoch, 2. März 2011, 12.30-13.30 Uhr,Congress Center (CCE) Essen-West, Raum Berlin

Informationen zum Kongress: www.dgkjp.de/de_kongress2011_206.html Informationen zu psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters:  www.kinderpsychiater-im-netz.de

Presseanfragen zum DGKJP-Kongress: Dr. Thomas Nesseler, DGKJP-Geschäftsstelle Berlin-Mitte, Tel. 030/2404 772-20, E-Mail: t.nesseler@dgppn.de