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08.06.2015

Schulverweigerung – oft ist Angst die Ursache

Als Schulverweigerer werden Kinder und Jugendliche bezeichnet, die wiederholt oder über längere Zeiträume hinweg dem Unterricht fernbleiben. Schulverweigerung hat oft schulisches Versagen und reduzierte Berufschancen zur Folge und geht häufig mit psychischen Erkrankungen, teils auch Kriminalität einher und kann erhebliche Folgen für die Lebensperspektive der jungen Menschen haben.

Die Gründe, warum Kinder und Jugendliche wiederholt die Schule meiden, sind nicht einheitlich, sondern beruhen auf unterschiedlichen Motiven. Insbesondere in jüngeren Jahren sind Angststörungen im Hintergrund vorhanden. „Im Kindesalter ist Schulverweigerung oft durch Ängste motiviert.  Bei der so genannten Schulphobie fürchten betroffene Kinder die Trennung von ihren Eltern. Hierbei handelt es sich um ein Vermeidungsverhalten ohne direkten Bezug zur Schulsituation, denn die Trennungsangst ist das Problem der Kinder“, erläutert Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP).  „Kinder und Jugendliche können auch Leistungsängste entwickeln, soziale Ängste oder andere Ängste, die oftmals übersteigert und nicht vernunftsmäßig begründbar erscheinen. Wenn dann die Pflicht zum Schulbesuch psychosomatische Beschwerden wie beispielsweise Kopf- oder Bauchschmerzen  hervorruft, spricht man von Schulangst.“ Bleibt die Schulverweigerung unbehandelt, bestehen die psychischen Probleme meist weiter und können in der Folge weitere Störungen - wie etwa Depressionen oder Drogenmissbrauch - nach sich ziehen.

Im Jugendalter weitet sich das Spektrum möglicher Störungen deutlich aus

Ab Beginn des Jugendalters sind neben Angststörungen insbesondere Störungen des Sozialverhaltens Gründe für das Fernbleiben von der Schule. „Jugendliche mit einem gestörten Sozialverhalten zeigen oft dissoziale Verhaltensweisen. Sie fallen durch aggressives und destruktives Verhalten auf, halten sich nicht an Regeln und Vorgaben und sind oft aufsässig, ungehorsam, oppositionell und trotzig. Bleiben sie der Schule fern, spricht man von Schulschwänzen. Typisch hierfür ist, dass in der Regel parallel keine körperlichen Beschwerden und auch keine Ängste auftreten“, ergänzt der Kinder- und Jugendpsychiater. Doch auch Mobbingerfahrungen und daraus resultierende emotionale Belastungen sind häufige Störungsbilder, die zur Schulverweigerung führen können. 

Schulverweigerung darf nicht chronifizieren

Das frühzeitige Erkennen problematischer Tendenzen bei Kindern und Jugendlichen sowie eine gezielte Diagnostik und gegebenenfalls Therapie kann Betroffene vor weiteren Schwierigkeiten wie Entwicklungs- und Integrationsproblemen bewahren. „Voraussetzung dafür ist, dass betroffenen Kindern und Jugendlichen rasch geholfen wird, bevor die Ängste, das Vermeidungsverhalten und damit die Schulverweigerung der Betroffenen chronisch werden. Hilfsmaßnahmen müssen sowohl spezifisch auf die Symptomatik als auch  die individuelle Situation, also auch das konkrete Umfeld, maßgeschneidert sein und können beispielsweise in der Therapie von Angststörungen oder der Lösung von Mobbingsituationen bestehen. Auch eine Beratung betroffener Eltern und einer Klärung der weiteren schulischen Perspektive dieser jungen Menschen ist wichtig“, rät Dr. Spitczok von Brisinski. Bleiben frühzeitige Hilfen aus, verschlechtert sich die Prognose der Kinder und Jugendlichen.

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