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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

08.09.2011

Lautes Vorlesen hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten

Mit leichten Übungen können Sie ein Kind mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten fördern. Dabei sollten Sie nicht zu lang täglich üben und das Kind schon allein für seine Bemühungen - unabhängig vom Ergebnis - loben.

Eltern können Kinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten beim Lesen fördern, indem sie gemeinsam mit ihnen Geschichten laut vorlesen. „Wechseln Sie sich beim Lesen von kurzen Textabschnitten ab und erlauben Sie Ihrem Kind ruhig, anfangs die Sätze für sich leise zu lesen. Üben Sie nicht länger als 15 Minuten täglich, denn Ihrem Kind geht möglicherweise schnell die Motivation verloren. Es liest nur mit größter Mühe. Loben Sie Ihr Kind, unabhängig vom Ergebnis, schon allein für seinen Einsatz“, empfiehlt Prof. Gerd Schulte-Körne von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin.

Um die Rechtschreibung zu verbessern, kann die Schreibweise von wichtigen Wörtern wie beim Vokabel-Training mit Karteikarten geübt werden. „Wird ein diktiertes Wort an drei aufeinander folgenden Tagen richtig geschrieben, beherrscht das Kind voraussichtlich die Schreibweise. Durch das Lernen von Rechtschreibregelmäßigkeiten, kann der Lerneffekt noch verstärkt werden“, erklärt Prof. Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität München. „Lassen Sie Ihr Kind auch öfter mal einen Einkaufszettel und kleine Notizen schreiben, das übt zusätzlich.“

Schüler mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten können aufgrund einer Wahrnehmungsstörung gesprochene Wörter nur schwer in Laute zerlegen und die Laute nur mit Mühe den entsprechenden Schriftzeichen zuordnen. Häufig verwechseln sie ähnlich klingende Laute oder ähnlich aussehende Buchstaben. Betroffene machen trotz intensiven Übens und guter intellektueller Fähigkeiten  beim Schreiben deutlich mehr Fehler und lesen langsamer als ihre Mitschüler. „Die Kinder empfinden meist einen hohen Leidensdruck wegen ihrer schlechten Leistungen sowie oft fehlender Unterstützung und Förderung. Versuchen Sie, Ihrem Kind den Druck zu nehmen, stärken Sie sein Selbstbewusstsein, betonen Sie seine Stärken“, rät der Kinder- und Jugendpsychiater.

Die Probleme beim Lesen und Schreiben können unterschiedlich ausgeprägt sein, bei einer besonders schweren Form, spricht man von Legasthenie. Hiervon sind etwa 2-4% aller Kinder betroffen, Jungen 3-mal häufiger als Mädchen. Betroffene Kinder können individuell gefördert werden. Ein Kinder- und Jugendpsychiater kann durch spezifische Diagnostik die Probleme richtig einordnen, Eltern und Lehrer fachlich beraten und ihnen speziell entwickelte Lernprogramme wie das Marburger Rechtschreibtraining vorstellen.