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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

03.12.2012

Computersucht: Vernachlässigung alternativer Freizeitaktivitäten kann ein Hinweis sein

Computer- und Internetnutzung haben eine zunehmende Bedeutung in der Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen, dabei kann es auch zu einem suchtartigen Konsum kommen.

Computer- und Internetnutzung haben eine zunehmende Bedeutung in der Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen, dabei kann es auch zu einem suchtartigen Konsum kommen. „Warnzeichen für eine problematische Mediennutzung können sein, wenn Kinder- oder Jugendliche zuvor bestehende nichtmedienbezogene Freizeitaktivitäten aufgeben oder diese spürbar reduzieren“, berichtet Prof. Johannes Hebebrand von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) mit Sitz in Berlin. „Weitere Hinweise sind veränderte Verhaltensgewohnheiten des Kindes oder Jugendlichen in der Familie, nämlich wenn diese nicht mehr an gemeinsamen Aktivitäten wie Ausflügen oder Mahlzeiten teilnehmen und stattdessen lieber am Computer verweilen.“ Bei Kindern und Jugendlichen kann sich eine problematische Mediennutzung auch durch einen Leistungsabfall in der Schule, durch Schlafstörungen, Reizbarkeit, Lustlosigkeit und/oder einen Mangel an „echten“ sozialen Kontakten äußern. Eltern sollten klare Regeln und Zeiten für die Computernutzung zu vereinbaren, um übermäßiger Mediennutzung vorzubeugen. Frühestens Kinder zwischen drei und fünf Jahren sollten sich täglich maximal 30 Minuten am Computer beschäftigen, bis zehn Jahre dann maximal eine Stunde. Im Jugendalter empfiehlt sich ein Wochenbudget von ca. acht Stunden. Gerade im Altersbereich von 12 bis 15 Jahren wird viel „gechattet“; üblicherweise lässt dieses jedoch nach, wenn die Kinder eigenständig direkten sozialen Kontakten nachgehen können. „Können Eltern eine zeitliche und auch inhaltliche Beschränkung der Computer- und Internetnutzung bei ihrem Kind nicht mehr durchsetzen, muss dies ebenfalls als Alarmsignal gewertet werden“, betont Prof. Hebebrand, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, LVR-Klinikum Essen an der Universität Duisburg-Essen. „Auch wenn häusliche Konflikte zunehmend um dieses Thema kreisen und regelmäßig zu eskalieren drohen, kann dies auf ein suchtartiges Verhalten hinweisen.“ Gegenwärtig wird überlegt, inwieweit eine exzessive Computer- oder Internetnutzung nicht als eine Form einer Suchterkrankung diagnostiziert werden sollte. Die Symptome einer Computersucht sind durchaus mit stoffgebundenen Abhängigkeiten vergleichbar. Charakteristisch ist ein exzessiver unzureichend kontrollierbarer Drang in Bezug auf die Computer- oder Internetnutzung, welcher zu Funktionsbeeinträchtigung und auch zu Stressbelastung führt. Eltern sollten in dieser Situation nicht resignieren und eine freie Computernutzung der Kinder akzeptieren - etwa weil es vielen anderen Eltern auch so geht. Eine exzessive Nutzung kann langfristig zu Depressionen oder auch Sozialisationsproblemen führen. „Es ist dann wichtig, professionelle Hilfe durch einen Kinder- und Jugendpsychiater in Anspruch zu nehmen, um gemeinsam mit dem Kind nach den Ursachen zu suchen und eine Therapie zu ermöglichen“, rät der Experte. „Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von verhaltenstherapeutischen Maßnahmen, in denen Ziele und Regeln festgelegt werden und anderen psychotherapeutischen Verfahren, bis hin zu medikamentösem Vorgehen. Auch gibt es stationäre Angebote, um Internet- und Computersucht zu behandeln.“Die Pressemeldung der DGKJP ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung freigegeben.Bitte weisen Sie bei Verwendung im Printbereich auf das Informationsportal der DGKJP, www.kinderpsychiater-im-netz.de, hin. Bei Online-Veröffentlichung erbitten wir eine Verlinkung auf die Website.