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16.11.2011

Autistische Kinder früh im sozialen Miteinander fördern

So früh wie möglich sollten die Kinder den zwischenmenschlichen Umgang lernen - also wie sie jemanden begrüßen oder verabschieden, wie man sich bei Tisch verhält und worüber sie in der Öffentlichkeit besser nicht sprechen.

Da sich Autismus-Formen wie das Asperger-Syndrom in erster Linie durch soziale Defizite darstellen, müssen sich Eltern damit auseinandersetzen, wie sie ihrem Kind soziale Regeln nahebringen können. „So früh wie möglich sollten die Kinder den zwischenmenschlichen Umgang lernen - also wie sie jemanden begrüßen oder verabschieden, wie man sich bei Tisch verhält und worüber sie in der Öffentlichkeit besser nicht sprechen. Angemessener Blickkontakt, Gestik und Mimik gehören auch dazu“, empfiehlt Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP). Allerdings ist es wegen des fehlenden oder begrenzten emotionalen Einfühlungsvermögens – anders als bei nichtautistischen Kindern – häufig notwendig, sehr genau zu erklären, warum und wie die sozialen Regeln einzuhalten sind. Nur so kann das Kind die Regeln und Strukturen im Rahmen seiner Möglichkeiten lernen. Darüber hinaus sollten Lob oder Konsequenzen stets direkt erfolgen, damit das Kind die Folgen seiner Handlungen erkennen kann. „Sie sollten es vermeiden, an zu vielen Themen zugleich zu arbeiten, um das Kind nicht zu überfordern. Ansprüche sollten so gewählt werden, dass das Kind Erfolgserlebnisse hat und sich die Anforderungen langsam steigern. Dabei können Eltern anfangs Hilfestellungen geben, die sie mit der Zeit weglassen können", rät Dr. Spitczok von Brisinski.

Das Asperger-Syndrom ist eine kindliche autistische Erkrankung, die sich mit einer Kontaktstörung manifestiert und damit auch das Familienleben stark belasten kann. Betroffene Kinder und Jugendliche haben kein natürliches Verständnis für Gefühle, Gedanken und Wünsche anderer. Das drückt sich in ihrem Verhalten (Gesten, Mienenspiel, Blickkontakt) aus und in Schwierigkeiten, anhaltende und tiefergehende Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. „Die Erziehung eines Kindes  mit Asperger-Syndrom ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten, insbesondere für die Familie.

Ebenfalls sehr wichtig ist es, andere Menschen, die häufig Kontakt mit dem betroffenen Kind haben, über die Situation aufzuklären: „Kinder mit Asperger-Syndrom wirken äußerlich oft unauffällig und ihr auffälliges Verhalten kann Unverständnis und Ärger provozieren, wenn die Mitmenschen nicht eingeweiht sind. Besonders ausführlich sollten sie mit Erziehern und Lehrern sprechen“, betont der Experte. „Ein erfahrener Kinder- und Jugendpsychiater kann den Eltern dabei helfen, die fast immer notwendige spezialisierte Therapie des Kindes zu unterstützen - sie sollten ihn nach entsprechenden Maßnahmen fragen.“ Hilfreich ist es auch, mit anderen betroffenen Eltern zu sprechen, die oft wertvolle Ratschläge geben können und den Kontakt zu Selbsthilfegruppen aufzunehmen. „Eltern können so lernen, ihr Kind besser zu verstehen und ihm liebevoll und hilfreich zur Seite zu stehen“, ergänzt Dr. Spitczok von Brisinski.  

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