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17.09.2012

Auch Kinder können eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln

Zu den typischen PTBS-Symptomen bei Kindern und Jugendlichen, die verzögert wenige Wochen bis Monate nach dem Trauma erscheinen, gehört das Auftreten von emotionaler Taubheit. Sie wird durch Entfremdungsgefühle, Emotionslosigkeit und einem verminderten Interesse an zuvor bedeutsamen Dingen deutlich.

Auch Kinder und Jugendliche können eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln, wenn sie ein Ereignis erlebt haben, bei dem sich unter großer Furcht und Entsetzen gelitten haben und das eine Bedrohung der eigenen körperlichen Unversehrtheit oder der eines anderen Menschen beinhaltet hat. „Zu den typischen PTBS-Symptomen bei Kindern und Jugendlichen, die verzögert wenige Wochen bis Monate nach dem Trauma erscheinen, gehört das Auftreten von emotionaler Taubheit. Sie wird durch Entfremdungsgefühle, Emotionslosigkeit und einem verminderten Interesse an zuvor bedeutsamen Dingen deutlich“, berichtet Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Vorstand des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP). „Weitere klassische Traumasymptome sind eine erhöhte Erregung mit übermäßiger Wachsamkeit, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit und Aggressivität sowie das Wiedererleben des traumatischen Geschehens im wachen oder schlafenden Zustand.“ Darüber hinaus können sich Schlafstörungen einstellen sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, die in der Folge die Schulleistungen beeinträchtigen können.

Die Symptome einer PTBS bei Kindern sind altersspezifisch und hängen vom Stand ihrer kognitiven, affektiven und sozialen Entwicklung ab. „Traumatisierte Kinder im Alter von 7 und 14 Jahren versuchen meist Gedanken, Gefühle sowie das Reden über das Trauma zu vermeiden. In vielen Fällen sind sie auch unfähig, sich an alle Aspekte des traumatischen Ereignisses zu erinnern“, ergänzt der Kinder- und Jugendpsychiater. Manchmal nehmen Betroffene die Zukunft verkürzt oder unvollständig wahr. Sie glauben beispielsweise dann nicht mehr daran, jemals die Schule zu beenden oder erwachsen zu werden. „Jüngere Kinder, deren sprachliche Entwicklung noch nicht so ausgeprägt ist, teilen sich zuweilen durch Zeichnungen oder Spielverhalten mit, welches dann wiederholt und wenig lustbetont Aspekte des traumatischen Geschehens wiedergibt“, fügt Dr. Spitczok von Brisinski, ärztlicher Leiter des Fachbereichs „Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters“ der LVR-Klinik in Viersen ist, hinzu.

Bei der Diagnose, die durch einen Kinder- und Jugendpsychiater erfolgen sollte, werden verschiedene diagnostische Instrumente, wie Interviews und Fragebögen eingesetzt. Von zentraler Bedeutung ist eine sorgfältige Differentialdiagnose, weil das Erscheinungsbild der PTBS in vielen Punkten anderen psychischen Störungen ähnelt. Bei der Therapie der PTBS stehen - neben Maßnahmen zur Unterbindung der traumatisierenden Situation (z.B. bei sexuellem Missbrauch) - traumafokussierte Therapieansätze im Vordergrund. „Traumafokussiert bedeutet, dass die traumatischen Erfahrungen des Kindes in den Mittelpunkt der Therapie gestellt und explizit angesprochen werden. Hierfür werden spezielle Verfahren, wie die „traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie“ und das „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ angewendet“, erläutert der Kinder- und Jugendpsychiater.

Zu den Situationen, die bei Kindern und Jugendlichen eine PTBS auslösen können, gehören schwerwiegende Lebensereignisse, die die Gesundheit oder das Leben der Betroffenen bedrohen, wie Naturkatastrophen, Unfälle, schwere Erkrankungen sowie sexuelle oder körperliche Gewalt. Belastende Lebenssituationen wie Mobbing oder die Scheidung der Eltern lösen in der Regel nicht die Symptome einer PTBS aus, sie können jedoch andere psychische Störungen wie ein Depression oder Angststörung als Anpassungsstörung nach sich ziehen.

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