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27.08.2012

Ängste der Eltern können sich auf Kinder übertragen

Im Gegensatz zu den meisten anderen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter erscheint bei Angststörungen der Anteil des «Gelernten» besonders hoch zu sein.

Eltern, die unter Angststörungen leiden, sollten sich am besten in professionelle therapeutische Behandlung begeben, damit sie ihre Ängste möglichst nicht an die Kinder weitergeben. „Kinder lernen am Vorbild der Eltern und verinnerlichen elterliches Verhalten. Daher besteht eine Gefahr, dass die Kinder ebenfalls ängstliche Verhaltensweisen übernehmen und unter Umständen selbst eine Angststörung entwickeln“, berichtet Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Vorstand des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP). „Nicht jedes Kind angstkranker Eltern entwickelt Probleme, aber es ist bekannt, dass Kinder von Eltern mit Angststörungen häufiger seelische Probleme haben als Kinder, deren Eltern nicht unter Angst leiden. Im Gegensatz zu den meisten anderen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter erscheint bei Angststörungen der Anteil des «Gelernten» besonders hoch zu sein.“ Auch ein überkontrollierendes, übermäßig beschützendes Verhalten durch ängstliche Eltern kann sich problematisch auswirken, weil es die Kinder darin einschränkt, wichtige Erfahrungen zu machen und ein autonomes sozial kompetentes Handeln zu entwickeln. Oft entsteht ein Teufelskreis aus Überfürsorge des Elternteils und steigenden Verhaltensdefiziten sowie erhöhter Ängstlichkeit beim Kind. Neben familiären Faktoren spielen aber auch biologische, psychische und umweltbedingte Faktoren bei der Entstehung einer Angststörung im Kindes- und Jugendalter eine Rolle. Kommen Eltern in Situationen, in denen sie selbst große Ängste oder Panikattacken haben, ist es vorteilhaft, wenn sich der andere gesunde Elternteil verstärkt um das Kind kümmert und dabei viel Zuversicht ausstrahlt. Das gibt dem Kind die Möglichkeit, die Bedrohlichkeit der Situation von einer anderen Perspektive aus zu beurteilen, die nicht durch eine krankheitsbedingte übersteigerte Angstreaktion geprägt ist. „Älteren Kindern können psychisch kranke Eltern durchaus auch erzählen, dass das eigene ängstliche Verhalten Ausdruck einer Erkrankung ist. Dabei sollten sie den Kindern aber auch Aussichten auf eine baldige Besserung der Krankheit machen“, rät der Kinder- und Jugendpsychiater. Besonders problematisch wäre es in solchen Situationen, wenn die Kinder von den Eltern als Helfer benutzt würden, um die Ängste zu überwinden. „Es darf nicht dazu kommen, dass sich die Rollen umkehren und die Kinder beruhigend und schützend auf die Eltern einwirken müssen. Das überfordert die Kinder in der Regel, weil ihnen adäquate Problemlösungsstrategien noch fehlen“, ergänzt Dr. Spitczok von Brisinski. Je schneller der Elternteil seine psychischen Probleme mit Hilfe einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Therapie bewältigt, umso besser ist es für die Kinder.Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens davon betroffen zu sein, beträgt 15%. Angststörungen sind sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern gut behandelbare Erkrankungen.

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