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16.07.2013

Zentrale Datenbank soll Arzneimitteltherapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verbessern

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie soll die Arzneitherapie weiter verbessert werden. Eine bundesweite Patienten-Datenbank spielt dabei eine zentrale Rolle; koordiniert wird das Vorhaben in Würzburg.

Die meisten Psychopharmaka, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verwendet werden, sind offiziell nur für Erwachsene zugelassen. Ein Grund dafür: Es gibt zu wenige junge Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen, um die für Arzneistudien nötige Teilnehmerzahl zu erreichen. Unter 18-Jährige müssen darum mit „Erwachsenen-Medikamenten“ behandelt werden. Das geschieht nach Standards, die aus der langjährigen klinischen Erfahrung abgeleitet sind. Zufriedenstellend ist das nicht. Denn bei Kindern und Jugendlichen können Arzneimittel anders wirken als bei Erwachsenen. Oberärztin Karin Egberts aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Würzburg nennt dafür ein Beispiel: Bei Kindern arbeitet die Leber oft schneller als bei Erwachsenen. Als Folge davon werden manche Medikamente rascher abgebaut – ihre Dosierung muss dann höher sein als bei Erwachsenen, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

Zentrale Datenbank als LösungWie also die beste Dosierung finden, wenn klassische Arzneimittelstudien nicht vorhanden sind? Die Kinder- und Jugendpsychiatrie verfolgt hier einen Weg, der sich an der Praxis orientiert: Seit 2008 gibt es eine Datenbank, die von einer steigenden Zahl kinder- und jugendpsychiatrischer Zentren im deutschsprachigen Raum gespeist wird. Sie enthält Angaben zu bislang 320 Patienten und dokumentiert die Therapie ebenso wie die Krankheitsverläufe. Sie zeigt, welche Medikamente in welcher Dosis gegen welche Krankheit verordnet werden und wie es um Wirkung und Nebenwirkungen bestellt ist. Entstanden ist die Datenbank im bundesweiten Kompetenznetz „Therapeutisches Drug-Monitoring in der Kinder- und Jugendpsychiatrie“. Die Würzburger Universitätsklinik gehört dem Netz ebenso an wie das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität.

Individuell zugeschnittene TherapienWas Therapeutisches Drug-Monitoring bedeutet? Dabei messen die Ärzte regelmäßig die Konzentration der Medikamente im Blut der Patienten und gleichen sie mit der Wirkung der Therapie ab. Bei Bedarf wird die Dosierung verändert, was die Risiken einer Unter- oder Überdosierung verringert. Auf diese Weise lässt sich die Therapie auf jeden Patienten individuell zuschneiden und damit sicherer gestalten. Gerade bei Psychopharmaka ist diese individuell ausgerichtete Strategie sinnvoll. Denn manche Wirkstoffe tauchen im Blut der behandelten Jugendlichen in sehr unterschiedlichen Konzentrationen auf, auch wenn die Patienten eine gleiche Dosis bekommen. „Das ist ein ähnlicher Effekt wie bei der Ernährung, wo man ja auch gute und schlechte ‚Futterverwerter‘ kennt“, sagt Karin Egberts.

Drei Gruppen von Medikamenten im BlickMit der Datenbank werden als nächstes die drei am häufigsten verordneten Gruppen von Medikamenten genauer unter die Lupe genommen: Antipsychotika (u.a. bei Schizophrenie, Manie oder starker Aggression), Antidepressiva (u.a. gegen Depressionen, Zwangs- und Angststörungen) und Psychostimulanzien. Letztere werden vorwiegend bei ADHS eingesetzt, dem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. Durch diese Sammlung von Beobachtungsdaten hoffen die Mediziner auf neue Erkenntnisse zur Verbesserung der Therapien.

Quelle: Pressemitteilung Julius-Maximilians-Universität Würzburg