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13.10.2015

So verringern Eltern die Anziehungskraft von Alkohol-Werbespots auf Teenager

Eine Studie legt nahe, dass Werbespots für Alkohol das Trinkverhalten Jugendlicher beeinflussen. Was können Eltern tun, damit die Teenies solche Botschaften kritisch hinterfragen?

Alkoholwerbung im Fernsehen verführt Kinder und Jugendliche offenbar nach einer Studie von Kieler Wissenschaftlern zum Rauschtrinken. Das häufige Sehen von TV-Werbespots erhöhe das Risiko des sogenannten Komasaufens bis zu vier Mal, teilte die DAK-Gesundheit mit. In Kooperation mit der Krankenkasse befragte das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) zwischen 2008 und 2011 etwa 1500 Schüler im Alter von zwölf bis 16 Jahren aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Brandenburg.

Damit Jugendliche sich von Alkoholwerbung nicht beeinflussen lassen, sollten Eltern sich gemeinsam mit den Kindern damit auseinandersetzen, rät Marita Völker-Albert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wenn so eine Werbung läuft, fragen Eltern etwa: «Welche Botschaft nimmst du hier wahr?» Dann können sie dem Kind erklären, dass es solche Botschaften kritisch hinterfragen muss und Alkohol gesundheitliche Risiken birgt.

Abschreckende Beispiele wie ein Film von einem Suchtkranken bringen aber wenig. «Jugendliche identifizieren sich damit nicht», sagt Völker-Albert. Das sei nicht überzeugend. Besser sind positive Botschaften. Eltern besprechen am besten mit dem Kind, was zu einem erfüllten Leben gehört - und dass Anerkennung und Erfüllung nichts mit Alkohol zu tun haben. «Im Gegenteil», sagt die BZgA-Expertin. «Alkohol kann zu Streit führen oder sogar Gewalt begünstigen.» Eltern sollten vermitteln, dass die in der Werbung gezeigte Welt auf andere Weise erreichbar ist - etwa durch gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie oder ein Hobby.

Wichtig ist aber auch: Eltern sollten Jugendlichen über 16 Jahren das Alkoholtrinken nicht komplett verbieten, sagt Völker-Albert. Denn ein gänzliches Verbot mache den Konsum nur noch spannender - und geht an der Lebenswirklichkeit oft vorbei. «Es geht vielmehr darum, ein Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Alkoholkonsum zu entwickeln.»

Quelle: dpa