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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Diagnostik von Tic-Störungen bzw. Tourette-Syndrom

Oft wird die Diagnose erst lange nach Symptombeginn gestellt - nach wie vor vergehen bis dahin oft Jahre. Nicht zuletzt deswegen kann die Diagnosestellung bereits eine erhebliche Entlastung (bei Betroffenen und Eltern) darstellen. Es gilt: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto bessere Unterstützung kann erfolgen.

Die Diagnose einer Tic-Störung wird anhand der Ausprägung und des Verlaufs der Symptomatik erhoben (Art, Häufigkeit, Intensität, Verteilung). Hierbei werden auch äußere Einflussfaktoren, Vorgefühl (Sensationen) und Unterdrückbarkeit berücksichtigt, um die Tics von anderen Bewegungsstörungen oder psychischen Störungen (z.B. Zwangserkrankung) abzugrenzen. Da insbesondere jüngere Kinder selbst nur sehr starke Tics bemerken, können oft nur mittels der Aussagen der Eltern Art (motorisch oder vokal), Lokalisation, Häufigkeit und Intensität erfasst werden.

Im Rahmen der Diagnostik wird auch berücksichtigt, ob bestimmte Risikofaktoren vorliegen, z.B. Tic-Störungen in der Familie (genetische Disposition), vorausgegangene Streptokokken-Infektion etc.. Ebenso wird eine routinemäßige Abklärung von Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerten vorgenommen.

Um den Schweregrad einer Tic-Störung zu erfassen, kann ein Fragebogenverfahren eingesetzt werden, welches Eltern oder Angehörige über einen mehrwöchigen Zeitraum zuhause ausfüllen können. International wird hierfür die „Yale Global Tic Schweregradskala“ (YGTSS) eingesetzt. Ebenfalls hilfreich bei der Beurteilung durch den Arzt ist die „Yale Tourette Syndrom Symptomliste“ (YTSSL).

Das mögliche Auftreten weiterer Störungen (Komorbidität) wird ebenfalls abgeklärt.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Veit Roessner, Dresden (DGKJP)